Leihräder, Carsharing & Autonomes Fahren: Wohin steuert die Mobilität in unseren Städten?
SHift - der Norden macht Zukunft
13.04.2026 39 min
Zusammenfassung & Show Notes
Welches Zeugnis bekommen die deutschen Städte derzeit für ihr Mobilitätskonzept? Wie verändern die nächsten Generationen schon jetzt unser Mobilitätsverhalten und damit auch unsere Stadtbildern? Was machen andere europäische Städte schon jetzt besser als wir? Und wann sind auf unseren Straßen nur noch autonome Fahrzeuge unterwegs? Über diese spannenden Fragen spricht Niklas in dieser Folge mit dem Stadtgeographen und Mobilitätsexperten Dr. Stefan Carsten. Mit ihm sitzt auch zum ersten Mal ein Zukunftsforscher bei uns am SHIFT-Kaffeetisch. Er verrät uns, wie die Mobilität in unseren Städten in Zukunft möglicherweise aussehen könnte.
Niklas klärt mit Stefan u.a. folgende Fragen:
Niklas klärt mit Stefan u.a. folgende Fragen:
- Welches Zeugnis bekommen die deutschen Städte derzeit für ihr Mobilitätskonzept?
- Was sind aktuell unsere größten Herausforderungen in Sachen Mobilität?
- Was machen andere europäische Städte schon jetzt besser als wir?
- Welche Stellschrauben müssten wir drehen, um nachhaltiger mobil zu sein?
- Wie bekommen wir die Menschen vom Auto aufs Fahrrad?
- Welche Trends erkennt Stefan in seinem Mobility Report 2027?
- Wann sind auf unseren Straßen autonome Fahrzeuge unterwegs?
- Welche Stadt in Deutschland ist führend in Sachen Mobilität?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Über unseren Gast:
Dr. Stefan Carsten ist Stadtgeograph, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Er war Projektleiter in der Zukunftsforschung bei Daimler und entwickelt seither Mobilitätsstrategien für Politik, Städte und Unternehmen. Heute ist er selbstständig beratend und forschend tätig und sitzt zudem in verschiedenen Beiräten, z.B. vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn. Seit 2019 veröffentlicht Dr. Stefan Carsten regelmäßig den Mobility Report.
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Über unseren Gast:
Dr. Stefan Carsten ist Stadtgeograph, Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte. Er war Projektleiter in der Zukunftsforschung bei Daimler und entwickelt seither Mobilitätsstrategien für Politik, Städte und Unternehmen. Heute ist er selbstständig beratend und forschend tätig und sitzt zudem in verschiedenen Beiräten, z.B. vom Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn. Seit 2019 veröffentlicht Dr. Stefan Carsten regelmäßig den Mobility Report.
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Transkript
Stefan, wie viel
Diesel-Dieter steckt in dir?
Diesel?
Dieter?
Sehr wenig tatsächlich.
Ich glaube... Also wenn ich über fossile
Antriebe, wenn ich über Rudolf Diesel,
Karl Benz und so weiter nachdenke, dann
sind das Namen, die viele Gewerbegebiete
prägen und meine Kinder werden mit diesen
Namen nichts mehr anzufangen wissen.
Und ich finde, das ist in diesem Sinne
eine klassische Übergangstechnologie,
die wir gebraucht haben, um den Wohlstand
in diesem Land voranzutreiben, bis
zu einem gewissen Grad natürlich nur.
Und die Zeit ist jetzt vorbei.
Es ist auch meine Aufgabe, darüber
zu sprechen und die Vorzüge von
neuen Energiesystemen nicht nur für
die Mobilität, sondern für unsere
gesamte Gesellschaft aufzuzeigen.
Okay, schön, dass du da bist.
Schön, dass du den Weg aus
Berlin hier zu uns gefunden hast.
Vielen Dank für die Einladung.
Herzlich willkommen an alle
zu einer neuen Folge Shift.
Ich muss euch heute leider alleine
begrüßen, denn Rana ist abwegig.
Die wird aber bestimmt relativ
bald hier wieder am Tisch sitzen.
Kuchen zu Gemüte führen.
Wir haben heute tatsächlich auch das
erste Mal kein Kuchen sondern Obst.
Unser Gast hat sich Obst gewünscht.
Das machen wir natürlich auch gerne.
Stefan, ich werde dich kurz vorstellen,
bevor wir dann inhaltlich werden.
Ich glaube, man wird es im Laufe der
Vorstellung schon erahnen können,
über was wir heute reden wollen.
Dr. Stefan Karsten, du bist Stadtgeograf,
Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte.
Du warst lange Jahre in der
Automobilindustrie tätig bei der
Daimler AG, dort aber auch schon
für den Bereich Zukunftsforschung.
Aktiv seit 2014 bist du selbstständiger
Zukunftsforscher, Berater und
Referent, immer mit Fokus auf
Stadt, Mobilität und Zukunft.
Du sitzt in verschiedensten Beiräten
vom Bundesverkehrsministerium, von
der Deutschen Bahn und seit 2019
veröffentlichst du regelmäßig so
alle zwei Jahre, den Mobility Report.
Und dieser Mobility Report, der jetzt
auch gerade kürzlich wieder erschienen
ist, das soll auch so ein bisschen
die Grundlage unseres Gesprächs sein.
Generell wollen wir einfach
über die Mobilitätswende
hier in Deutschland sprechen.
Bevor wir allerdings den Blick
in die Zukunft werfen, müssen wir
erstmal den Status Quo beleuchten.
Deshalb werden wir jetzt
auf deutsche Städte gucken.
Der Fokus soll auf Städten heute liegen.
Wenn du da auf deutsche
Städte guckst, welches Zeugnis
würde es denn aktuell geben?
Wie sind die in puncto Mobilität?
Derzeit unterwegs?
Das Zeugnis würde wahrscheinlich
so im Dreierbereich liegen mit
der Tendenz der Verbesserung.
Wir haben über die letzten
Jahre sehr, sehr viel erreicht.
Wir waren mit Sicherheit vor zehn
Jahren im Bereich 5, 4 minus.
Es gab so einige Ausreißerstädte
oder einige wenige Ausreißerstädte
schon vor zehn Jahren.
Das war tatsächlich Berlin gewesen,
die immer eine ganz besondere
eigene Mobilität hatten aufgrund
der ganz besonderen Stadtstruktur.
Aber in den letzten zehn Jahren
ist extrem viel passiert.
Interessanterweise ist
außerhalb Deutschlands noch
viel, viel mehr passiert.
Das heißt, die Frontrunner-Städte der
Mobilität liegen in Frankreich, liegen
in Italien liegen in Belgien, sowieso
traditionell in Skandinavien Benelux.
Und Deutschland... Ich würde
nicht sagen, hat diesen Trend
verschlafen, das auf gar keinen Fall.
Es bemüht sich, der Schüler bemüht
sich, aber er ist doch sehr, sehr
langsam und träge und hat, glaube ich
in der Gänze und in der Breite noch
nicht richtig verstanden wie einzelne
Instrumente zusammenwirken und was sie
tatsächlich gesamtgesellschaftlich und
auch wirtschaftlich bewirken können.
Was würdest du sagen, sind so die
aktuell größten Herausforderungen
die die Städte haben?
Tatsächlich ist das Erstarken des
rechten politischen Spektrums ein
ganz wesentlicher Aspekt, warum viele
Politikerinnen und Politiker Angst
haben, Mobilität in unserem Sinne,
im nachhaltigen Sinne voranzutreiben.
Das macht sich manifest an der
Debatte um den öffentlichen Raum.
Wofür wird in Städten
öffentlicher Raum genutzt?
In einer Stadt wie Berlin sind 60% des
öffentlichen Raumes dem Auto gewidmet.
Und die anderen 40% sind
Fußgängerzone, Parks, Grünanlagen.
Aber halt 60% sind Straßen und Parkplätze.
Das ist etwas, was das rechte Spektrum
gerne behalten möchte, was auch die
CDU gerade in Berlin sehr, sehr massiv
tatsächlich in den Wahlkampf hineinträgt
Der öffentliche Raum gehört dem Auto
und wir brauchen den öffentlichen
Raum aber, wenn wir die Mobilität
tatsächlich neu gestalten wollen.
Der öffentliche Raum muss für
Fußgänger, muss für Fahrradfahrer,
muss für Sharing-Optionen
umgestaltet werden, genutzt werden.
Der öffentliche Raum muss.
Zum Wohle des Einzelhandels
umgestaltet werden.
Das Auto ist tatsächlich
ein Verlustbringer für den
Umsatz im Einzelhandel Das
wissen wir seit vielen Jahren.
Wir haben belastbares Zahlenmaterial,
jetzt auch neuestens aus
Nordrhein-Westfalen erhalten.
Und da zeigt sich, wenn ich die
Bevölkerung nicht mitnehmen kann, so
wie ich es normalerweise... Machen
könnte bei so einem Thema, werden
viele Projekte doch zerredet, werden
ausdiskutiert es geht langsam voran,
zwei Schritte nach vorn einer zurück,
drei Schritte nach vorn, vier zurück.
Das ist, glaube ich das wesentliche
Merkmal der Debatte heute in den Städten.
Okay, also du meinst dass die Altparteien
Angst haben, wenn sie... Mehr und mehr
Parkplätze wegnehmen, um den anderen
Nutzung zu führen, dass das dazu
führen könnte, dass Wähler Wählerinnen
eher ins rechte Spektrum abwandern.
Genau.
Und es ist halt, genau dieses
Spektrum hat eine sehr, sehr
starke mediale Aufmerksamkeit.
Und wir haben bei diesen Debatten
Wir um Mobilität tatsächlich
noch nicht verstanden, dass wir
uns ja in einem übergreifenden
Transformationsprozess befinden.
Wir kommen aus einer Phase
der industrialisierten Stadt.
Die hat im 18.
Jahrhundert begonnen und die wirkt in
Deutschland über die Automobilindustrie,
über die Chemieindustrie, Pharmaindustrie
Es ist dieser Glaube dass diese
Industriezweige uns diesen Wohlstand
gebracht haben, was ja auch richtig ist.
Und diese Hoffnung, dass das über
die nächsten Jahre, Jahrzehnte
auch immer so weiterbleiben wird.
Und das ist ein Trugschluss.
Die Industrie wandert ab, die
Industrie ist nicht mehr wett.
Bewerbsfähig China hat uns links und
rechts überholt in einer Geschwindigkeit,
wie es keiner vorhergesehen hätte.
Die Automobilindustrie, die deutsche
Automobilindustrie, stellt im
Moment Autos zur Verfügung, die
nicht marktfähig sind, die in der
Vergangenheit stecken geblieben sind.
Jedes chinesische Auto ist einem
Mercedes-BMW technisch überlegen.
Digital überlegen sowieso, von der
Batterieleistung sowieso überlegen,
kostenmäßig auch überlegen.
Wir verlieren über die letzten
zwei Jahre über 100.000
Arbeitsplätze im Automobilsektor.
Wir werden alleine in diesem
Jahr sicherlich rund 100.000
Arbeitsplätze verlieren.
Die Zuliefererindustrie in Berlin,
Brandenburg und Sachsen das ist so
ein IG Metall Bezirk den ich berate,
die sagen, sie werden in ein, zwei
Jahren... Kein Geschäftsmodell mehr
haben, weil das alte Modell auf
Metallverarbeitung ausgelegt war.
Also einen Kupplungsblock zu
fertigen, Getriebeblock zu
fertigen, das sind alles Fähigkeiten
Wertschöpfungsansätze, die ich nicht
mehr brauche in der Elektromobilität.
Und jetzt gibt es ja dieses wirklich
peinliche Bemühen der Bundesregierung,
den Diesel noch zu retten.
Durch den hocheffizienten Verbrenner.
Durch den hocheffizienten
Verbrenner, von dem keiner weiß,
was das eigentlich sein soll.
Und tatsächlich ist die Elektromobilität
natürlich heute schon kostenseitig
In den TCOs also in den Total Costs
of Ownerships schon deutlich besser.
Die Reichweiten reichen in jeder
Dimension aus, um in Urlaub zu fahren.
In ganz Europa gibt es bessere
Ladesäuleninfrastrukturen
als in Deutschland.
Und die nächste Batteriegeneration.
Das, worüber ich als Zukunftsforscher
immer spreche, ist dann halt irgendwann
die Feststoffbatterie, die dann
sowieso 1000 Kilometer Reichweite
hat, die dann sowieso in fünf Minuten
vollgeladen wird, die dann auch
nicht mehr auf den Fähren anfängt zu
brennen, sondern einfach sicher ist.
Und das ist natürlich dann etwas,
wo der Diesel dann überhaupt
gar keine Chance mehr hat.
Okay und jetzt hast du ja immer
noch gesagt, dass durch den
Autoverkehr die Wirtschaftskrise
Kaufkraft eher schlecht ist.
Dabei heißt es doch eigentlich immer,
wenn diskutiert wird, ob Parkplätze in
einkaufsstarken Bereichen weggenommen
werden, dass dann die Ladenbesitzer
Angst haben, weniger Kaufkraft.
Der Einzelhandel hat tatsächlich
sehr wenig Einblick in die realen...
Nutzertypologien, was Verkehr anbelangt
Wenn ich heute Einzelhändler frage wer
ist denn der stärkste Umsatzbringer?
Sind es die Fußgänger, die
Fahrradfahrer, ÖPNV oder die Autos
Sagen sie alle unisono das Auto.
Und wenn du dir die faktischen
Befragungen, Umfragen dazu anguckst
und die Menschen fragst, wie
viel haben sie jetzt konsumiert?
Wie viel haben sie ausgegeben Wie sind sie
mit welchem Verkehrsmittel hergekommen?
Es ist genau das Gegenteil.
Der höchste Einfluss sind die
Fußgänger aus der Nachbarschaft,
dann kommen die Fahrradfahrer dann
kommt der ÖPNV und tatsächlich der
geringste Umsatzbringer ist das Auto.
Das heißt, ich muss meinen öffentlichen
Raum umgestalten, um Lebensqualität,
um Aufenthaltsqualität in den Städten
wieder zu realisieren, denn sonst
wird das Internet gewinnen, sonst
wird Amazon gewinnen und die Thalia
Online Stores werden gewinnen.
Ich meine, wir sind jetzt hier
gerade in Schleswig-Holstein.
Ihr habt großes Glück, dass ihr von
dem Klimawandel auf eine andere Art
und Weise beeinflusst seid als eine
Stadt wie Berlin oder wie Regensburg.
Ich war letzte Woche in Wien.
Da sprechen wir über drei...
Grad Temperaturanstieg.
Und das 1,5 Grad Ziel ist so
weit entfernt wie nie zuvor.
Und das werden wir auch in den nächsten
30, 40 Jahren nicht realisieren.
Das heißt, wir haben Sommer vor uns
mit 40, 45 Grad Außentemperatur.
Gehe ich dann noch in eine Stadt, die
steinern ist, wo ich keine Bäume, keinen
Schattenspender habe, wo Autos rumstehen,
die ein zusätzlicher Wärmeblock sind?
Oder sitze ich zu Hause und klicke
und hole mir meine Lebensmittel nach
Hause, hole mir meine Bücher nach Hause,
hole mir meine Kleidung nach Hause?
Für die ältere Bevölkerung sind das...
Umfeldbedingungen, wo sie faktisch
nicht mehr überlebensfähig sind.
Und das sind die realen Entwicklungen.
Und da müssen wir auch über das
Vehikel Mobilität gegensteuern um
dieses Land wieder zukunftsfähig zu
machen, um den Wohlstand in diesem
Land auch weiter garantieren zu können.
Davon sind wir momentan
sehr weit entfernt.
Und glaubst du denn, dass die Menschen
genug Vorstellungskraft haben, um
sich eine Stadt vorstellen zu können,
die nicht so stark autozentriert ist?
Also du sagst ja schon, dass 60
Prozent der Fläche für eigentlich
die Autos und Parkplätze, also für
Straßenparkplätze vorbehalten sind.
Und wenn wir vielleicht davon mal
wegkommen, was ja an sich eine schöne
Vorstellung ist, viel mehr Grünflächen
Spielplätze und so weiter, fehlt dann da
mit der Vorstellungskraft sich das anders?
Also erstens finde ich hast du es genau
richtig formuliert Du hast nämlich
von weniger Auto zentriert gesprochen
und das ist auch genau mein Ansatz.
Ich möchte überhaupt gar nicht
polarisieren und ich möchte auch gar nicht
Menschen, die auf das Auto angewiesen
sind aus dieser Debatte ausschließen.
Das heißt, ich spreche nicht von
Autofreiheit Das ist nicht mein Ziel.
Ich bin Geograf, Stadtgeograf,
ich bin Urbanist.
Ich glaube, dass Autos zu
einem gewissen Teil auch...
Teil der Urbanität sind.
Aber weniger autozentriert ist
tatsächlich etwas, was sich
Menschen schlecht vorstellen können.
Das sehen wir in jeder
öffentlichen Debatte.
Und zwar nicht nur in Deutschland,
das sehen wir genauso in Dänemark.
Das sehen wir auch in den USA.
Auch in den USA, große Städte
San Francisco, New York, wollen
alle weniger Autozentrierte.
Werden.
Das heißt, wenn dort über eine Straße
debattiert wird oder eine Nachbarschaft
debattiert wird und Parkplätze
entfernt werden sollen, dann ziehen die
Menschen vor die Gerichte und wehren
sich mit Händen und Füßen dagegen.
So, und dann haben sie in der
Regel aber keine Chance und das
Projekt wird trotzdem durchgezogen
und wird umgebaut und umgestaltet.
Und hinterher sagen die gleichen
Menschen, Mensch, wenn ich das gewusst
hätte, was das mit unserer Nachbarschaft
macht, was das mit unserer Stadt macht,
hätte ich mich niemals dagegen gewehrt.
Und das ist mein Plädoyer
tatsächlich zu sagen.
Lasst uns die Bevölkerung doch
etwas weniger integrieren in diesen
Entscheidungsfindungsprozess.
Wir sind die Experten Wir
wissen, was zukunftsfähig für
Stadt und Gesellschaft ist.
Wir sind in der Verantwortung,
die Stadt nach bestem Wissen
und Gewissen zu entwickeln.
Lasst es uns so übersetzen
und umgestalten.
Und im Nachhinein können wir dann
mit den Menschen darüber sprechen,
okay, was hat jetzt gut funktioniert,
was hat weniger gut funktioniert.
Aber ich sage dir als
Zukunftsforscher, frage niemals
einen Menschen nach der Zukunft.
Die Vorstellungskraft reicht nicht aus.
Beziehungsweise die Menschen haben
nicht die Informationen zur Verfügung,
die wir zur Verfügung haben.
Das heißt, du glaubst weniger
Mitbestimmung der Bevölkerung
führt dazu, dass sie aber am
Ende einen größeren Nutzen haben.
Genau.
Gehört am Ende aber auch zu, Transparenz
herzustellen, zumindest schon mal
aufzuzeigen, das haben wir vor,
aber ihr habt kein Mitspracherecht.
Weniger Mitspracherecht.
Ich finde, es gibt in Schweden
gerade ein ganz tolles Projekt,
was ich sehr, sehr spannend finde.
In Schweden wird in den Städten gerade
die Eine-Minute-Stadt umgesetzt.
Und da merkt man schon, der zeitliche
Aspekt in der Mobilität und in
der Stadtplanung ist ein ganz
ganz wichtiger und entscheidender.
Was bedeutet die Eine-Minute-Stadt?
Sie bedeutet, dass... Immer Dreierteams
von Haustür zu Haustür gehen,
von Wohnungstür zu Wohnungstür.
Das ist ein Vertreter Vertreterin
der Kommunalverwaltung, ein Vertreter
Vertreterin der Verkehrsbehörde und
ein Mitarbeiter eines Designbüros.
Und die fragen die Menschen, was
möchtest du im direkten Umfeld von
deiner Wohnungstür Haustür, was brauchst
du dort für Die urbane Funktion.
Brauchst du einen Parkplatz?
Brauchst du eine Sitzbank?
Brauchst du einen Spielplatz?
Brauchst du einen Fahrradabstellplatz?
Was brauchst du?
Und dann sagen natürlich die Menschen,
ich brauche einen Autoparkplatz,
weil ich bin auf das Auto angewiesen.
Und andere sagen, ich brauche
einen Spielplatz, weil der nächste
Spielplatz ist drei Blocks entfernt
Das ist mir zu weit mit dem Kind.
Das Kind schläft dann immer
ein auf dem Weg nach Hause.
Und andere sagen tatsächlich, ich brauche
hier so einen kleinen Tisch, um mal mit
meinen Nachbarn ins Gespräch zu kommen.
Und dann wird das
ausgehandelt und umgesetzt.
Das heißt, ich hole die Menschen direkt
an ihrem Lebensort ab, was passiert.
Im Ein-Minuten-Radius um ihre Wohnungstür.
Und was brauchen sie dort?
Und dann wird das gebaut.
Dann sagt das Designbüro,
ja, das können wir machen.
Kein Problem, wir haben hier eine Vorlage
da haben wir es schon mal so gemacht.
Und dann bauen die einen Spielplatz mitten
auf die Straße, um den Menschen einfach
zu ermöglichen ihre Stadt zu leben.
Und das ist dann weniger
zukunftsorientiert, sondern das holt
die Menschen in ihrem Lebensalltag ab.
Und das ist natürlich ein toller Ansatz.
Nun kann man eigentlich glaube
ich sagen, dass das Fahrrad in
der Stadt eigentlich oft die...
Das schnellste, flexibelste,
unabhängigste Verkehrsmittel ist.
Trotzdem ist es nicht das, was
quasi am meisten genutzt wird.
Was muss passieren, damit so ein
Verkehrsmittel wie das Fahrrad aber
auch für Fußgänger und so weiter,
dass dort mehr... Dass die Leute
auf diese Verkehrsform umsteigen.
Also das ist tatsächlich
sehr, sehr einfach.
Ich bin jetzt hier heute Morgen
ein bisschen durch Kiel gelaufen.
Ich war gestern ein
bisschen in Kiel unterwegs.
Wir haben große, breite Straßen.
Wir haben mitten in der Stadt zwei
Spuren pro Richtung, nicht überall,
aber auf großen Magistralen.
Diesen Raum brauchen
wir nicht für das Auto.
Das heißt, nehmt eine Fahrspur
sofort dem Auto weg und Separiert
sie, trennt sie physisch ab für
Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer
und automatisch automatisch werden
mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren.
Das war das große Learning durch
Corona, als die Pop-Up-Radwege
überall aufgepoppt sind und die
Menschen sind Fahrrad gefahren.
Du kannst heute als grober Indikator
tatsächlich sagen, je mehr Menschen
in einer Stadt mit dem Fahrrad
unterwegs sind, desto wohlhabender,
reicher, lebensfroher ist diese Stadt.
Es ist ein Indikator für
Zukunftsfähigkeit, es ist ein
Indikator für Wohlstand tatsächlich.
Die skandinavischen Städte sind
Städte die nie... Eine substanzielle
industrielle Basis gehabt haben.
Sie waren immer wissensbasiert, sie
waren immer schon digitaler als wir,
sie waren immer schon kreativer als wir.
Und das heißt, du konntest schon
frühzeitig den öffentlichen Raum so
umgestaltet, dass die Lebensqualität
für die Menschen im Mittelpunkt
stand und eben nicht die automobilen
Pendler, die in die großen Industrie
im Mittelpunkt Hallen fahren mussten wo
zu Schichtbeginn tausende von Menschen
anfangen zu arbeiten, wo du die großen
Straßenkapazitäten brauchtest, um das
überhaupt gewährleisten zu können.
Und aus diesem Learning wissen wir,
dass die industrielle Stadt im Zuge
dieser großen Transformation zu einer
wissensbasierten Stadt und damit auch zu
einer wissensbasierten Mobilität wird.
Lasst uns diese Räume so umgestalten,
dass sie für alle funktionieren.
Und für die Autofahrerinnen und
Autofahrer unter euch, die hier zuhören,
ihr könnt euch sicher sein, hinterher
fließt der Verkehr sogar flüssiger,
weil die Menschen setzen sich...
Und viele zum ersten Mal überhaupt damit
auseinander wie sie mobil sind und fangen
an, über Alternativen nachzudenken.
Das heißt, viele fahren
freiwillig dann mit dem Fahrrad
oder freiwillig mit dem ÖPNV.
Und die, die noch auf das Auto
angewiesen sind, die haben
immer einen flüssigeren Verkehr.
Zeigt jede Umsetzung weltweit.
Es ist immer das Gleiche.
Okay, also das ist quasi auch so
ein Punkt wo du meinst man muss den
Menschen erstmal etwas wegnehmen.
In dem Fall eine Spur.
Sie werden dann aber merken, für Sie
und für alle ist es im Endeffekt besser.
Richtig.
Spannend.
Bevor wir jetzt den Blick nochmal mehr
in Richtung Zukunft werfen, machen
wir eine kleine Auflockungseinheit
Wir machen ein kleines Shift-Quiz.
Bzw.
eher sind Fragen, wo wir gucken wollen,
ob du denen zustimmst oder nicht.
Autofreie Innenstädte bis 2035.
Ja oder nein?
Nein.
Warum?
Soll das kommentieren?
Gerne kurz, ja.
Ich glaube, wir polarisieren hier
eine Thematik die wir nicht brauchen,
die nicht, die viele Menschen
ausschließen würden, die tatsächlich
auf das Auto angewiesen sind.
Und das halte ich für nicht, halte
ich nicht für den richtigen Weg.
Tempo 30 als Standard in Städten.
Ja, vollkommen richtig.
Sehr, sehr wichtig.
Sehr einfach umsetzbar.
Mit einem hohen Impact
tatsächlich für alle.
Der Faktor Lärm wird massiv unterschätzt
In europäischen Städten leben 50
Prozent der Bevölkerung in Räumen die
Oberhalb des Gesundheitslevels sind.
Das heißt, sie sind jeden Tag
mit gesundheitsgefährdenden
Lärmemissionen auseinandergesetzt.
Und Tempo 30 ist da ein Riesenstellhebel.
Wir haben jetzt im letzten
Jahr 2.800 Verkehrstote.
Wieder eine Steigerung tatsächlich.
Auch da Tempo 30 ein
überlebenswichtiger Faktor.
Ist guter nur noch mit
festen Abstellzonen?
Ja, gerne.
Nur diese festen Abstellzonen
die können trotzdem überall sein.
Es kann halt jeder Radbügel
kann eine Abstellzone sein.
Eine Abstellzone muss nicht 10, 20,
30 Quadratmeter groß sein, sondern
es reicht ein Quadratmeter aus.
Dann ist es halt auch genau dieser
eine Quadratmeter und 30 Zentimeter
daneben ist es der nicht mehr.
Und so hat das ja auch Paris vorgemacht.
Paris war eine Horrorstadt, als
sich Scooter aufgekommen sind.
Ich bin selbst in Paris Scooter gefahren.
Das war der Horror gewesen.
Und dann hat man aber ziemlich
schnell festgestellt, es gibt
technische Möglichkeiten, Geofencing.
Um einfach diese Abstellzonen neu
zu denken und zu installieren.
Und dann ist von einem Tag auf dem
anderen, jetzt übertrieben formuliert,
war diese Stadt komplett aufgeräumt
Und jeder Scooter und jedes Leihfahrrad
stand genau an einer Abstellzone.
Und ganz ehrlich.
Deutsche Politikerinnen und Politiker
und auch Verwaltungsorganisationen
sind einfach absolut behäbig und
schieben den schwarzen Peter immer von
sich fort und sagen, ihr seid dafür
verantwortlich Nein, wir müssen dieses
Thema gemeinsam lösen und es ist extremst
einfach technisch so etwas zu lösen.
Und dann habe ich trotzdem Scooter in
der ganzen Stadt, aber in Abstellzonen.
Also ja, aber... Ein bisschen nein.
Parken nur noch in Quartiersgaragen.
Finde ich auf jeden Fall
einen wichtigen Aspekt.
Wir haben ja das Phänomen des
Backup-Cars, wie ich jetzt auch in
meinem neuen Buch geschrieben habe.
Das heißt, das Mobilitätsverhalten in den
Städten hat sich schon deutlich verändert.
Wir nutzen... Immer weniger das Auto.
Wir kaufen es tatsächlich aber immer noch.
Und das heißt, Mobilitätsverhalten
und Konsumverhalten haben
sich ein bisschen abgekoppelt.
Und du brauchst so den letzten Push.
Ja, das könnte ein höheres Anwohner.
Anwohnerparken sein, also höhere
Kosten für Anwohnerparken sein.
Das könnten Incentives für den
ÖPNV sein oder es könnten halt eben
auch Quartiersgaragen sein, wo ich
die Autos aus den Nachbarschaften
rausräume und sie zentralisiere.
Und dann würden auch wieder viele
Leute sagen, ach, ich nutze das Auto.
Es ist ein absoluter Kostenfaktor Wir
wissen ja, so ein Mittelklassewagen
kostet mich 400 Euro im Monat,
auch wenn ich es gekauft habe.
Das sind Wertverluste, das sind
Steuern das sind Versicherungen, das
sind Reparatur, das sind Tankkosten.
So, und 400 Euro haben oder nicht, da
kann ich schon sehr, sehr viel Scooter
fahren, da kann ich extrem viel mit
dem Deutschlandticket ÖPNV fahren, da
habe ich eine BahnCard 50 locker mit
integriert und habe eine Mobilität,
die viel, viel mehr Mobilität mir
ermöglicht Und für die Urlaubsfahrt hole
ich mir einen Mietwagen und schaffe es
trotzdem nicht mal ansatzweise auf 400
Euro hochgerechnet im Monat zu kommen.
Also da, glaube ich wird die
Kostentransparenz noch sehr viel Gutes
tun und da könnten genau diese Garagen
einen ganz wesentlichen Einfluss haben.
Wir wagen den Blick mehr in Richtung
Zukunft und wie wir schon gehört haben,
hast du jetzt gerade den Mobility
Report 2027 rausgebracht, in dem du
über verschiedene Trends sprichst
die die Mobilität prägen werden.
Was ist aus deiner Sicht ein Trend,
der in die Städte einziehen wird?
Was werden wir dort an
Veränderungen sehen?
Also ich versuche ja sowohl
gesellschaftliche Entwicklung und
so ein bisschen auch technische
Entwicklung immer parallel zu beobachten.
Für mich ist schon sehr, sehr wichtig
eine gesellschaftliche Entwicklung.
Jetzt kommt eine Generation in
den Mobilitätsmarkt, die nicht
mehr automobilsozialisiert ist.
Wir können ja eigentlich erst
seit 20, 25 Jahren sprechen wir
überhaupt erst von Mobilität.
Was faktisch falsch ist, weil es
gab schon immer Mobilitätsforscher,
aber die hatten nichts zu tun oder
haben ihr Geschäft falsch verstanden.
Aber seit 20, 25 Jahren haben wir
überhaupt erst Mobilität im Sinne von
Einer großen, breiten Angebotspalette.
Also seit 25 Jahren gibt es
Carsharing nicht nur stationär
sondern halt auch Free Floating,
also überall im Stadtraum verteilt.
Wir haben Scooter, wir haben
Bike-Sharing-Systeme wir haben Ride-
Pooling-Angebote, also wir haben die
ganze Palette Lastenfahrräder, wo man
sich aussuchen kann, bei welchem Wetter
bei welcher Situation nutze ich was.
So, und das ist jetzt die erste
Generation, die eben nicht
mehr mit dem Auto aufgewachsen
ist, sondern mit Mobilität.
Und die wird das... Mobilitätsverhalten
in städten sehr sehr stark prägen
die werden ganz selbstverständlich
auf all diese angebote zugreifen
die werden sie vielfältig nutzen die
menschen machen trotzdem noch ihren
führerschein das dürfen wir nicht
vernachlässigen das ist ein ganz
wesentlicher aspekt Weil das Auto eben
Teil einer Mobilitätsangebotsform ist.
Und natürlich nutzen sie dann
auch mal ein Auto, um zu Ikea zu
fahren oder um in Urlaub zu fahren.
Und dafür brauchen sie auch den
Führerschein und die Zugangsbedingungen,
aber eben auch nicht mehr.
Diese Menschen werden sich das Auto
einfach auch nicht kaufen, weil es
absoluter Unsinn ist, sich ein Auto
zu kaufen in der heutigen Zeit.
Und das verändert die Mobilität stark.
Und ich habe diese Generation
Generation Scooter genannt Bewusst
um ein bisschen zu polarisieren.
Provokant zu sagen, ja, der Scooter ist
ein wesentlicher Teil der Mobilität.
Wir wissen jetzt aus
Untersuchungen, dass 47 Prozent der
Scooterfahrten ein Auto ersetzt.
Also dass die Menschen die Scooter nutzen
oder auch Sharing, Bike-Sharing-Angebote
nutzen, dass das Auto bei denen
eine immer geringere Rolle spielt.
Weil Mobilität auch sehr rational
tatsächlich dadurch geworden ist.
Menschen, die heute den ersten Kilometer
mit einem Scooter überbrücken, um zum
ÖPNV zu kommen, die sind halt sehr
multimodal und die sind sehr, sehr clever.
Und die nehmen den Scooter, dann klappen
ihn zusammen, der gehört ihnen dann
auch und nehmen ihn mit in den Bus.
Und das ist auch gut so,
weil diese Menschen sind
früher mit dem Auto gefahren.
Eben wegen des ersten Kilometers,
weil der so unattraktiv war.
Und das dürfen wir nicht vergessen.
Diese Verkehrsmittel haben ihre
rationale, nachhaltige Berechtigung.
Sie sind sehr, sehr wichtig.
Und darauf möchte ich auch
hinweisen in diesem Report, dass
sich hier einiges verändern wird.
Und wenn du jetzt sagst, die junge
Generation wird weiterhin den
Führerschein machen, auch weiterhin
das Auto nutzen, aber halt nur
als ein Verkehrsmobilitätsmittel
neben vielen anderen.
Glaubst, das führt dazu, dass
wir am Ende dann auch weniger
Autos in Deutschland haben?
Weil wir haben jetzt irgendwie, glaube
ich bummelig 50 Millionen Pkw im Bestand
Führt das dazu, dass die Leute, also
gerade die jüngere Generation, nicht mehr
unbedingt ein eigenes Auto hat, dass wir
dann den Bestand auch runterbekommen?
Zu 100 Prozent.
Das ist 100% klar.
Und das weiß jeder Akteur
der Automobilindustrie.
Das ist ja auch in den Städten
Siehst du das auch massiv?
Es braucht, wie gesagt, oftmals
noch so diesen letzten Impuls
das Auto, was eigentlich nur
noch rumsteht, auch zu verkaufen.
Aber das Auto ist zur Stehmasse geworden.
Es ist ja ohnehin schon seit
langem eine Stehmasse und
wird immer mehr zur Stehmasse.
Und die neuen Generationen werden zeigen,
wie eine mobile Gesellschaft ohne ein
eigenes Auto perfekt funktioniert.
Davon profitieren natürlich
Mietwagenakteure, davon profitieren
Carsharing-Angebote solange es
noch nicht autonomes Fahren gibt.
Denn autonomes Fahren ist
natürlich der Sargnagel für jeden
Mietwagenakteur, ist der Sargnagel
für jeden Carsharing-Akteur ist der
Sargnagel für jedes Taxiunternehmen.
Und das ist hundertprozentig klar.
Glaubst du denn, dass
Autonome fahren wird?
Also sind das dann eher öffentliche Autos
Carsharing-Autos quasi, die den Leuten zur
Verfügung stehen oder wird man auch ein
Privatauto haben, was autonom fahren wird?
Ich bin relativ sicher, dass wir
auch private Autos haben werden, die
autonom fahren werden, wo ich dann im
Grunde im Freundeskreis oder in der
Familie so ein eigenes Sharing mache.
Es hört ja auch, diese Unterscheidung
hört ja auch auf, privat versus
öffentlich, privat versus gewerblich.
Ich habe ein autonomes Fahrzeug
Was Level 4, Level 5 fähig ist,
also eine fast vollständige oder
hundertprozentige Autonomie.
Level 5 ist?
Level 5 ist hundertprozentige
Autonomie, das heißt, das
Auto kann überall hinfahren.
Es ist nicht auf einem bestimmten
Radius nicht auf einem bestimmten Raum
kalibriert und zugelassen, so wie wir
jetzt im Moment ÖPNV-Angebote denken
im Level 4-Kontext, was dafür auch
reicht, sondern dieses Auto darf...
Alles machen.
So, und dann kann ich natürlich als
Privatperson dieses Auto besitzen und
kann damit meine familiäre Mobilität
organisieren lassen und oder ich kann
sagen, ey, ich brauche das Auto für die
nächsten drei Tage nicht, also gebe ich
es doch der Öffentlichkeit und lasse es
im öffentlichen Dienst fahren Im Grunde
genommen wie ein Airbnb-Angebot natürlich.
Teile meiner eigenen Wohnungen Zimmer
gebe ich für Airbnb frei und bekomme
darüber ein zusätzliches Einkommen.
Das wird genau so funktionieren.
Und gleichzeitig wird es natürlich
öffentliche Akteure geben, die die
Shuttle, eher Shuttle anbieten, also
vielleicht Viersitzer, Sechsitzer,
Achtsitzer, um einfach die öffentliche...
Mobilität zu organisieren.
Das wird in den Städten passieren.
Wir werden vielleicht um das Jahr
2050 heraus keine menschlichen Fahrer
mehr in diesem Verkehrssystem haben.
Warum?
Der Mensch ist ein absoluter
Unsicherheitsfaktor Der
Mensch verursacht Unfälle.
Hunderttausende pro Jahr mit immensen
volkswirtschaftlichen Kosten.
Wir wissen heute aus den USA, die
Waymos, die Robotaxis, die dort unterwegs
sind, sind Stand heute, März 2026,
Faktor 13 sicherer Als der Mensch.
Heute im Jahr 2026.
Das heißt, ich habe heute schon
92% weniger schwere Unfälle.
Ich habe über 90% weniger leichte
Unfälle, wo der Airbag ausgelöst wird.
Fußgänger sind zu über 80% heute sicherer.
Fahrradfahrer zu über 90% heute
sicherer Und so weiter und so fort.
Also wir bewegen uns in
eine Zukunft Vision Zero.
Keine Unfälle mehr, keine
Todesfälle mehr, keine Verkehrsopfer
mehr durch autonomes Fahren.
Und dann müssen wir den Menschen
aus der Gleichung rausnehmen.
Ganz einfach.
Das heißt, man wird dann im Jahr 2050
auch gar nicht mehr die Wahl haben, ob
ich das Auto selbst steuere oder nur das
Auto für die Steuerung verantwortlich ist?
Das ist eine steile These, aber ja.
Genauso ist es.
Du schreibst ja im Mobility Report
auch von Städten die denken und
Autos die verhandeln können.
Das zieht wahrscheinlich genau in diese
Richtung, dass alles autonom läuft und
miteinander kommuniziert über Datenströme
etc. Wir haben immer mehr Sensoren auch
in Städten die alles Mögliche aufzeichnen.
Wir wissen eigentlich, wir könnten
jede Sekunde wissen, wie viele
Menschen im Bus sind, wie viele
Menschen an der Haltestelle sind.
Und wir könnten das in Echtzeit übersetzen
um Angebote zur Verfügung zu stellen.
Ich werde natürlich... Relativ zeitnah
nicht mehr diese Situation haben, dass
ich im Zug in Deutschland unterwegs
bin und die Durchsage kommt, oh
leider, der Halt entfällt oder wir
haben eine halbe Stunde Verspätung,
es tut uns leid und ich anfange in
zehn Apps parallel zu suchen, was das
jetzt für mich persönlich bedeutet,
sondern in naher Zukunft wird mir diese
Information dann zur Verfügung gestellt.
Es ist im System abgebildet
wo mein Termin ist.
Das System weiß, wo ich bin.
Das System weiß, welche Mobilität
zur Verfügung stellt und
organisiert mir dann die Reisekette.
Und das wird innerhalb
von Sekunden passieren.
Und ich bin nicht mehr unter Stress,
um zu gucken, wie schaffe ich es denn
jetzt noch, meinen Termin zu realisieren.
Und im Zweifel wird das System
diesen Termin dann einfach
absagen oder verschieben.
Auch das passiert dann.
Und so buche ich dann auch Reisen.
Und so kaufe ich auch Autos oder lease
ich Autos Ich kann heute schon in den
USA ein Auto kaufen, bestellen innerhalb
von 30 Sekunden über drei, vier Prompts.
Und dann ist die Sonderausstattung
der Felge inkludiert und das
Motorpaket ist inkludiert und die
Farbe des Autos ist inkludiert.
Und im Hintergrund läuft dann
immer parallel die Leasingrate
mit und im Hintergrund läuft
automatisch der Finanzcheck ab.
Die Kreditwürdigkeits-Check-up.
Und dann habe ich nach 30 Sekunden,
ich kenne dieses Video, ich nutze
dieses Video, nach 30 Sekunden habe
ich dann eine grüne Ampel mit meinem
Fahrzeug und dann klicke ich noch
einmal und dann habe ich das realisiert.
Das heißt auch Einzelhändler,
Autohändler, Fahrradhändler, Buchhändler.
Sie stehen vor der Herausforderung ihren
Vertriebs- und ihren Verkaufsprozess
neu zu denken und zu gestalten,
weil KI denkt und entscheidet.
Ich bin gespannt, ob das so kommen
wird, wann das so kommen wird.
Du hattest am Anfang schon gesagt, dass
es eher Städte im Ausland gibt, die
was Mobilität angeht vorbildlich sind.
Könntest du trotzdem eine Stadt in
Deutschland herauspicken, wo du sagst,
die machen das schon relativ vernünftig?
Ja, also im Moment ist der, dem
Mobilitätslied hat die Stadt Hamburg.
Das muss man schon ganz klar sagen.
Anis Tjags macht einen
fantastischen Job, einen guten Job.
der Verkehrsminister in Hamburg Der
Verkehrssenator, genau, in Hamburg.
Der auch, und das ist auch wichtig.
Politisch wieder legitimiert worden
ist, seine Politik der vergangenen
vier bis fünf Jahre jetzt nochmal
vier bis fünf Jahre fortzusetzen.
Das haben die Wählerinnen und Wähler
an der Urne entschieden, weil es zeigt,
dass ein neues Mobilitätsangebot,
ein veränderter öffentlicher Raum
attraktiv ist und für alle funktioniert.
Und natürlich... Es ist nicht Paris,
Hamburg, um Gottes Willen Es ist sehr
vorsichtig, es ist sehr bedächtig
Der öffentliche Raum ist im weitesten
Sinne noch der alte öffentliche Raum.
Das heißt, es wird kosmetisch eingegriffen
um es so in aller Deutlichkeit zu sagen.
Aber schon diese Kosmetik reicht, um
das Mobilitätsverhalten zu verändern
und zwar positiv zu verändern.
Und das ist sehr, sehr gut.
Eine letzte Frage.
Wenn du einen Joker frei hättest, also
quasi eine Entscheidung treffen dürftest,
was die Mobilität in der Stadt angehen
könnte, um diese zu verbessern in Richtung
Zukunft zu bringen, welche wäre das?
Ich würde das Angebot an öffentlich
verfügbaren Parkraum massiv reduzieren
und diesen Parkraum nutzen, um
dort Fahrradspuren, Spielplätze,
grüne Bäume zu platzieren und zu
gestalten und so den öffentlichen
Raum für alle attraktiv zu gestalten.
Das wäre meine wichtigste Maßnahme.
Stefan, das war super spannend.
Du warst ja für uns jetzt
der erste Zukunftsforscher.
Das war echt spannend, da mal
reinzugucken, wie du die Zukunft siehst.
Wir sind gespannt, ob das so kommen wird.
Wenn ihr, liebe Zuhörenden da mehr
darüber wissen wollt und auch eine
weitere Folge mit Stefan nicht verpassen
wollt, wenn wir nochmal aufs Land gucken,
dann solltet ihr uns folgen Folgt uns
auf Instagram, Shift-Unterschrift,
der Norden macht Zukunft.
Dann werdet ihr erfahren, wenn die
Folgen rauskommen und führt euch
natürlich den neuesten Mobility
Report von Stefan zu Gemüte.
Dann sagen wir danke Stefan,
dass du hier warst und dann
tschüss bis zum nächsten Mal.
Vielen Dank.