Klimaneutrale Industrie: Wie Europas Green Deal unsere Wirtschaft verändert
SHift - der Norden macht Zukunft
20.07.2026 32 min
Zusammenfassung & Show Notes
In unserer ersten Folge mit Delara Burkhardt haben wir schon ausführlich über den Europäischen Green Deal gesprochen und dessen Auswirkungen auf Europa, Deutschland und Schleswig-Holstein. In dieser Folge schauen wir genauer auf die Industrie. Wie kann es gelingen, klimaneutral zu produzieren und trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben? Antworten darauf versucht das Europäische Parlament zu finden - mit Hilfe unseres Gastes, Delara Bukhardt.
Sandra und Delara besprechen u.a. diese Fragen:
Sandra und Delara besprechen u.a. diese Fragen:
- Green Deal: Wie kann der Wandel der Industrie hin zu einer klimaneutralen Produktion aussehen?
- Was sind die größten Herausforderungen bei der Dekarbonisierung der Industrie?
- Wie sorgt die EU dafür, dass wir trotz strengerer Vorgaben international wettbewerbsfähig bleiben?
- Hat Delara Angst, dass Unternehmen die EU aufgrund der strengen Vorgaben verlassen könnten?
- ETS: Was ist der Zweck des Emissions Trading System (Emissionshandel) der EU?
- Inwieweit haben internationale Handelsabkommen einen Effekt auf die Energiewende bei uns?
- Welche Chancen entstehen in Schleswig-Holstein durch die klimafreundliche Industriepolitik der EU?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Über unseren Gast:
Delara Burkhardt studierte Sozialwissenschaften und Sozialökonomie in Kiel und Hamburg. Seit Mai 2019 gestaltet die Wahl-Schleswig-Holsteinerin Politik als Abgeordnete im Europäischen Parlament in Brüssel. Delara setzt sich für ein gerechtes und nachhaltiges Europa ein und kämpft dafür, Klimaschutz bezahlbar und leistbar für alle zu machen.
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Über unseren Gast:
Delara Burkhardt studierte Sozialwissenschaften und Sozialökonomie in Kiel und Hamburg. Seit Mai 2019 gestaltet die Wahl-Schleswig-Holsteinerin Politik als Abgeordnete im Europäischen Parlament in Brüssel. Delara setzt sich für ein gerechtes und nachhaltiges Europa ein und kämpft dafür, Klimaschutz bezahlbar und leistbar für alle zu machen.
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Transkript
Das finde ich so blöd manchmal
an der deutschen Debatte.
Da wird immer so getan, alles, was
bürokratisch ist, kommt aus Brüssel.
Aber es gibt sehr wohl sehr viel
Bürokratie, die wir Deutschen
sehr gut selber machen können.
Und, ähm, ich finde, dass wir so eine
politische Situation haben, wo die Ebenen
sich immer gegenseitig Schuld geben, wer
jetzt irgendwie schuld an was ist, anstatt
genau zu überlegen: Wie können wir den
Standort Europa sichern und wie können
wir aber eben auch klimaneutral werden?
Also das gegeneinander Ausspielen,
das finde ich immer so blöd an der
politischen Debatte und das stört mich.
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der
EKSH Delara, du pendelst zwischen
Brüssel und Schleswig-Holstein.
Was ist die größere Herausforderung?
Die EU-Gesetzgebungsverfahren
oder die Deutsche Bahn?
Ach, equally challenging,
würd ich mal sagen.
Okay, äh, wir starten also nicht direkt
hier mit 'nem Bahn-Bashing, find ich gut.
Ähm, es funktioniert
nämlich auch oft, Leute.
Es ist nicht so, dass
das nie funktioniert.
Also ich war jetzt in München und
es hat ohne Verspätung, wir waren
sogar vier Minuten vorher in München.
Ja, äh, ich hab auch gerade sehr, sehr
positive Erfahrungen mit der Bahn gehabt.
Äh, Hin- und Rückreise
problemlos funktioniert.
Schön.
Delara, du warst schon mal hier.
Die Folge verlinken wir
natürlich allen, die uns zuhören.
Schön, dass ihr uns wieder zuhört.
Äh, ich hab hier wieder Delara
Burkhardt vor mir sitzen.
Schön, dass du da bist, Delara.
Ich freu mich immer noch, hier zu sein.
Ich mach nur 'ne ganz kurze Vorstellung,
weil wir haben dich ja ausführlich
in der letzten Folge vorgestellt.
Dafür machen wir gleich noch 'n kleines
Entweder-oder-Quiz mit dir, da können
wir dich noch 'n bisschen kennenlernen.
Ähm, jetzt möcht ich erst mal nur
sagen, dass du, ähm, schon seit 2019
Abgeordnete im Europäischen Parlament
bist und dort für die SPD sitzt.
Ganz genau.
Sehr gut.
Ähm, genau, entweder oder hab ich gesagt.
Du musst dich jetzt spontan entscheiden,
am besten nicht lange überlegen.
Bisschen Bauchgefühl
wollen wir hier haben.
Belgische Waffel oder
Kieler Fischbrötchen?
Mhm, ich bin eher 'ne süße
Person, also belgische Waffel.
Okay, da gewinnt also quasi Brüssel.
Aber nur da.
Nur da.
Klimapolitik erklären, lieber
mittels Memes oder PowerPoint?
Memes.
Ja, bist 'n großer Meme-Fan?
Großer Meme-Fan.
Ich finde, das ist einfach
niedrigschwellig und lustig.
Das heißt, wenn ich, ähm, dir auf
sozialen Medien folge, dann, äh,
hab ich da 'ne leichte EU-Politik,
die mir erklärt wird mittels Memes?
Das ist das Ziel zumindestens, weil
ich, ähm, ja, schon mir viel Gedanken
mache, wie man das alles, weil es ja
so wichtig ist, verständlicher machen
kann und, ähm, Memes spielen dabei
eine Rolle und viele andere Dinge.
Super.
Okay, dann folgt Delara,
äh, in den sozialen Medien.
Es scheint spannend zu sein.
Wenn dein politischer Alltag
ein Getränk wäre, wäre er ein
Espresso oder ein Beruhigungstee?
Na, auf jeden Fall 'n Espresso,
sogar eher 'n doppelter.
Also ordentlich was los bei dir.
Ordentlich was los, ja.
Und das, äh, mit Kleinkind.
Genau, ich hab 'n kleines Baby.
Ähm, genau, das macht's.
Aber auch, find ich, 'ne neue
Gelassenheit, die man dann manchmal hat.
Ähm, das, was so sonst einen
wahnsinnig genervt hat, äh, vielleicht
mal 'n bisschen ruhiger zu sehen.
Das ist schon klar.
Also dein Baby ist der Beruhigungstee.
Absolut, ja.
Sehr schön.
Eine Frage hab ich noch: Wenn du
einen Tag lang alle Mails, alle Anrufe
ignorieren dürftest, wo finden wir dich?
Strandtag oder Sofatag?
Schon am Strand.
Ja.
Prima, dann bist du in
Schleswig-Holstein ja genau richtig.
Ja, deswegen könnt ich auch
niemals in Brüssel leben.
Da gibt's einfach zu wenig Wasser.
Ja, wär für mich genauso.
Genau, wir haben mit dir schon mal
gesprochen über den Green Deal und die,
ähm, Auswirkungen in Schleswig-Holstein.
Und ein großer Bereich des Green
Deals, den haben wir 'n bisschen
ausgeklammert gehabt und das ist
die industrielle Transformation.
Und da würde ich erst mal von dir
wissen wollen, was ist das überhaupt?
Ähm, und wie sieht diese
Transformation aus?
Wa-was ist das Zielbild hinter
dem Green Deal, wenn wir
über die Industrie sprechen?
Mhm.
Also der Begriff Transformation ist ja
immer so 'n bisschen verbrannt, aber
eigentlich beschreibt dieser Prozess,
dass wir Klimaschutz in der Industrie
verankern, dass wir die Industrie in
Europa dekarbonisieren, ohne Wohlstand
und Arbeitsplätze zu gefährden.
Das ist so der Anspruch des Green Deals.
Und dekarbonisieren heißt in dem
Moment, dass keine Emissionen mehr
ausgestoßen werden dürfen oder zumindest
ohne, nicht ohne sie abzufangen?
Oder wa-was ist da der Weg?
Es ist jetzt festgeschrieben beides.
Also dass wir halt, ähm, einerseits
natürlich dort, wo dekarbonisiert
werden kann und elektrifiziert
werden kann, wir das auch tun.
Es ist aber und es zeichnet sich ja
schon länger ab, es wird Bereiche geben,
da wird es kein, äh, Netto-Null geben.
Ähm, und da werden wir, ähm, eben auch
über Abspeicherung sprechen, ähm, müssen.
Ähm, aber umso wichtiger,
das sehr gezielt zu tun.
Also wo es wirklich keine Alternativen
gibt, dort müssen diese Technologien
ausgebaut und angewandt werden.
Es darf aber auch keine
Pauschallösung für, für alles sein.
Und das ist, ähm, ja, 'ne Debatte,
die sehr schwierig ist, weil
grade immer so getan wird, als
wär, ähm, wär CO₂-Speicherung
für alles irgendwie 'ne Lösung.
Aber wir müssen uns vergegenwärtigen, es
wird sehr kostenintensiv und es wird eben
nur für sehr wenige Bereiche möglich sein.
Und da loten wir grade aus, was
die Anwendungsbeispiele sind.
Mhm.
Mein Bauchgefühl ist, dass die
Industrie so mit der schwerste Sektor
ist, um ihn zu dekarbonisieren.
Also ich hab so das Gefühl, Strom könnte
vielleicht so der einfachste sein.
Mhm.
Jetzt sind, äh, bei Wärme und, ähm,
Mobilität wissen wir auf jeden Fall den
Lösungsweg, aber auch der ist nicht easy.
Mhm.
Und ich hab das Gefühl, bei der Industrie,
da ist es auch noch so 'n bisschen
offen, wie wir das genau angehen.
Es gibt viele Wege.
Würdest du das bestätigen?
Ja und nein.
Ich meine, das, was noch mal schwieriger
ist an dem Bereich ist, dass er nicht
nur in unserer Hand liegt, sondern
dass wir ja auch als Europäer und da
sind wir ja auch stolz drauf, ähm,
uns nicht einigeln, sondern global
Handel, ähm, betreiben und eben unsere
Produkte nicht nur in Europa verkauft
werden, sondern und produziert werden,
sondern wir auch globale Lieferketten
haben, ähm, mit denen wir arbeiten.
Und dementsprechend ist die Komplexität
einfach noch mal größer, ähm, weil's
eben, ähm, natürlich auch Konkurrenzen
auf dem, auf dem Weltmarkt gibt.
Also es ist so, dass mit dem Start oder
mit dem Prozess der Dekarbonisierung
Produkte am Anfang sicherlich erst mal
teuer werden, weil die Investitionen
gemacht werden, um umzustellen
in eine klimaneutrale Produktion.
Äh, und diese Kosten ist in Regionen,
wo nicht klimaneutral produziert
wird, sind die ja nicht da.
Und deswegen ist der Anspruch des
Green Deals eben genau diese außen, ich
sag mal außenpolitische Dimension der
Klimapolitik auch mitzudenken und eben
auch bei unseren globalen Partnern Anreize
zu setzen für, ähm, grüne Technologien.
Äh, genau, aber s…, was halt
das Schwierige ist, ist die
Investitionsleistung und die
Mehrkosten, die dadurch entstehen.
Ähm, aber es gibt Technologien und es
gibt auch Innovationen, die bereits in
der Industrie, ähm, entwickelt wurden, die
auch, ähm, akzeptiert sind, wo man aber
eben die richtigen Rahmen braucht, damit
sich diese Investitionen auch lohnen.
Mhm.
Das, ähm, passt sehr gut zu meiner
Frage, die ich jetzt als Nächstes hätte.
Ich würd nämlich gern wissen, wie die
EU dafür sorgt, dass wir weiterhin
trotz der strengen und ja auch strenger
werdenden Vorgaben an die Industrie, was
die, ähm, Klimaneutralität angeht, wie
die internationale Wettbewerbsfähigkeit,
ähm, erhalten bleibt.
Mhm.
Also es gibt jetzt natürlich diejenigen,
aber wenn ich das mal so 'n bisschen
überlappe, sind es diejenigen, die
auch schon immer 'n bisschen kritischer
mit dem Green Deal waren, die halt
versuchen, die aktuelle Lage dafür zu
nutzen, zu sagen: „Das war alles 'n
bisschen zu viel und wir müssen jetzt,
ähm, ja 'n bisschen langsamer machen."
Wenn du aktuelle Lage sagst, meinst du-
Die Energiepreiskrise, ähm, unter anderem.
Äh, genau, weil die Wettbewerbsfäh-,
das Argument der Wettbewerbsfähigkeit
jetzt immer herangeführt wird, um halt zu
sagen, der Green Deal für die Industrie
ist halt zu viel in zu kurzer Zeit.
Ich glaube, das ist, ähm, falsch.
Also ich glaube, was wir halt machen
müssen, ist wirklich Bürokratie abzubauen,
weil ich hab ja in der ersten Folge
erzählt, wie viel der Green Deal war,
dass so Dutzende Rechtsakte, die wir neu
geschaffen haben und die jetzt, jetzt erst
in die Umsetzung gehen, wo's halt auch,
ähm, ja viel Bürokratie gibt, die wir halt
abbauen müssen, wo auch Instrumente besser
miteinander, ähm, verzahnt werden müssen.
Und das sehe ich als Aufgabe, die
wir als Gesetzgeber machen können.
Diese Bürokratisierungs-,
Entbürokratisierungsdebatte wird aber dazu
genutzt, eben auch Ziele abzuschwächen
und, ähm, Wege, die wir eingeschlagen
haben, wieder zurückzudrehen.
Das ist, finde ich, ähm, Stichwort
Wettbewerbsfähigkeit, grade für die
Unternehmen, die sich vorbereitet haben
und die sich an die Regeln halten wollten,
äh, und dafür investiert haben, einen
Schlag ins Gesicht, weil die haben sich
Klimaneutralitätspläne gegeben, die
haben investiert in die Technologien
und die sind jetzt, wenn wir diese Ziele
aufweichern, die Gelackmeierten, weil die
Mehrkosten da sind, aber eben, ähm, wir
keine Umgebung in Europa erzeugen, die
dazu führt, dass diese Investitionen sich
lohnen und eben auch die Voraussetzung für
den Zugang zum europäischen Markt werden.
Also das ist so, find ich, das Dilemma,
vor dem wir stecken: Sinnvollere
Entbürokratisierung auf der einen
Seite, aber eben auch Planungssicherheit
für die Unternehmen, die halt
Vorbildfunktion übernommen haben
und die eben Dekarbonisierungspläne
schon aufgestellt haben.
Ja, das klingt auf jeden Fall gemein,
wenn wir jetzt ausgerechnet die bestrafen,
die doch eigentlich genauso gehandelt
haben, wie man es sich mal gewünscht hat.
Ja.
Und wie's auch übrigens die einzige
Chance ist, weil wir tun ja immer so,
als könnten wir mit 'nem Lohndumping
mit fossilen, ähm, Energien,
ähm, im System mithalten global.
Aber wir haben uns ja schon
für 'n anderen Weg entschieden
als Europäerinnen und Europäer.
Also ist es überhaupt keine
Sicherung des Wettbewerbsvorteils
Europas, wenn man alles zurückdreht.
Also wir haben uns ja entschieden, dafür
die, ähm, oder der Wirtschaftsraum zu
werden, der zeigt, dass Klimaneutralität
und Wirtschaftswachstum keine Gegensätze
sind, sondern neuer Wachs…, neues
Wachstum entstehen kann, was eben
positiv ist und, ähm, eben auch, ähm,
Nachahmungseffekte nachweislich erzeugt,
weil den Weg, den wir eingeschlagen
haben, da wurde ja schon nachgeahmt.
Also wir haben Partnerinnen, äh,
global, Japan, Kanada gehören dazu.
Die haben, ähm, auch Klimaziele
definiert und die haben auch zum
Beispiel Emissionshandel, äh, eingeführt.
Ähm, also das hat Nachahmungseffekte,
wenn wir als Europäer vorangehen
und diese Pole Position sollten
wir uns nicht nehmen lassen.
Mhm.
Hörst du denn- Keine Angst oder zumindest
keine große Angst, dass, ähm, Industrien,
äh, oder einzelne Unternehmen aufgrund
der hohen Auflagen und, ähm, teilweise
ja auch Kosten die EU verlassen könnten?
Doch hab ich und gerade deswegen nehme
ich dieses Entbürokratisierungsargument
sehr ernst und, ähm, bin durchaus bereit,
darüber zu reden, wo wir halt Vorgaben aus
Brüssel auch noch mal verändern müssen.
Ähm, aber ich find auch immer
wichtig und das find ich so blöd
manchmal an der deutschen Debatte:
Da wird immer so getan, alles, was
bürokratisch ist, kommt aus Brüssel.
Aber es, es gibt sehr wohl sehr
viel Bürokratie, die wir Deutschen
sehr gut selber machen können.
Und, ähm, ich finde, dass wir so 'ne
politische Situation haben, wo die Ebenen
sich immer gegenseitig Schuld geben, wer
jetzt irgendwie schuld an was ist, anstatt
genau zu überlegen: Wie können wir den
Standort Europa sichern und wie können
wir aber eben auch klimaneutral werden?
Also das gegeneinander ausspielen,
das find ich immer so, so blöd an der
politischen Debatte und das stört mich.
Du hast in unserer letzten Aufnahme
schon, ähm, über den ETS gesprochen.
Äh, ich würd gerne auch in dieser Aufnahme
über den ETS sprechen, weil das ja mit
das größte Instrument ist, was wir haben,
um die Industrie zu dekarbonisieren.
Oder widersprichst du mir da?
Hast du-- Gibt es da
noch andere Instrumente?
Also Gesetzgebung.
Es ist schon mit das Größte.
Also was halt ultrawichtig ist,
ähm, ist aber auch das Investieren
in Zukunftstechnologien.
Also wir haben halt Bereiche, wir
haben über Wasserstoff geredet in der
letzten Folge, ähm, Batterien, ähm,
Chips, also wo wir wissen, es gibt
Zukunftstechnologien, die sind nicht
nur zentral für die Energiewende,
sondern die sind auch zentral für
den Wirtschaftsstandort Europa.
Ähm, dass wir die, ähm, dass wir
dort als Europäer Investitionsanreize
setzen, das machen wir ganz stark.
Also es gibt einen Net-Zero-Industry-Act,
wo wir eben auch, ähm, ganz, ähm, wo
übrigens auch Modellregionen, ähm, gesucht
werden in Europa, wo Schleswig-Holstein
sich auch grade mit dem NetZeroValley
bewirbt, ähm, wo wir eben Mod, ähm-
Genehmigungen erleichtern wollen für
genau diese Zukunftstechnologien und
wo, also im schleswig-holsteinischen
Falle wäre das eben 'n Wasserstoff-Hub
zu werden, auch europäisch, ähm, und wo
dann eben auch noch mal mehr Fördergelder
in diese Zukunftstechnologien,
ähm, investieren können.
Ich halte das für noch 'ne sehr
viel zentralere Frage, ähm,
für die europäische Industrie.
Also wirklich auch 'ne europäische
aktive Industriepolitik zu
machen, die Investitionen in diese
Schlüsseltechnologien auch anreizen
und, ähm, damit Chancen – und ich
glaub, grade Schleswig-Holstein
hat da 'ne riesige Chance – ähm,
für ein, für eine klimaneutrale
Industrie auch, ähm, zu setzen.
Okay, also das ist eher
so diese Anreizmethode.
Genau.
Ähm, wir, wir machen es euch
hier irgendwie leicht, diese
Zukunftstechnologien, ähm,
herzustellen, anzusiedeln.
Der ETS ist ja eher so 'ne,
'ne Bestrafungsmaßnahme.
Ähm, also Emissionen auszustoßen soll
weh- Was ja auch irgendwo 'n Anreiz ist.
Genau, also 'n bisschen
andere Herangehensweise, ne.
Emissionen auszustoßen soll wehtun.
Magst du uns noch mal erklären,
was der ETS ist, äh, und was
damit bezweckt werden soll?
Also in diesem Sinne ist, ähm, der
Emissionshandel schon das Herzstück
der europäischen Klimapolitik, weil er
eben mit das zentrale Instrument ist,
was wir haben, um CO₂ zu bepreisen.
Also, ähm, was wir damit machen, ist,
ähm, es wird ja, es ist ein marktbasiertes
Instrument, also es soll ohne große
ordnungsrechtlichen Vorgaben an der
Stelle, ähm, Anreizen in der Industrie,
dass man CO₂-arme Technologien investiert,
um eben, ähm, weniger Zertifikate in
einem Emissionshandel kaufen zu müssen.
Das funktioniert deshalb, weil diese
Menge an der, an Zertifikaten, die
in diesem Topf sind, also die man
kaufen kann, jährlich sinkt und
dementsprechend der, ähm, wenn man
halt nicht in Alternativen investiert,
der Preis für CO₂ immer höher wird.
Also es setzt den finanziellen
Anreiz, in Technologien zu
in-investieren, marktbasiert, damit
der Markt regelt, dass, ähm, CO₂
zu teuer wird, um's zu machen.
Ähm, das funktioniert seit 2005
wunderbar für die Bereiche Industrie, für
Kraftwerke und für den, äh, Flugverkehr.
Seit 2005 schon?
Seit 2005 schon, äh, für die Bereiche.
Also hat seit 2005 die Emissionen
in den Bereichen halbiert.
Ähm, also würd ich schon sagen, dass
es ein Instrument ist, was durchaus
funktioniert und was eben auch von anderen
Ländern durchaus nachgemacht, äh, wird,
also ein marktbasiertes Instrument.
Ich glaube aber, so ein marktbasiertes
Instrument kommt an seine Grenzen bei
den Bereichen, die halt Menschen nicht
unbedingt selber entscheiden können
und das ist zum Beispiel der Bereich
Wärme und Verkehr, auf den wir diesen
Emissionshandel, ähm, gerade ausweiten.
Also dementsprechend ist es,
glaub ich, für die Industrie
ein sehr gutes Instrument.
Für die anderen Bereiche muss sich
das noch, ich sag mal, beweisen.
Genau, aber das ist so grundsätzlich
das Instrument, ein marktbasiertes
Instrument, ähm, in dem CO₂-Zertifikate
kaufbar gemacht werden und ein Anreiz
durch die Verknappung geschaffen wird,
dass, ähm, Zertifikate verknappt werden
und dadurch der CO₂-Preis steigt.
Wobei der Markt ja auch sehr in Hand
der Politik in dem Fall liegt, ähm,
weil wir ja dann auch zum Beispiel in
Krisenzeiten immer mal hören: „Nee,
also jetzt können wir nicht verknappen.
Äh, wollten wir zwar eigentlich, aber
wir müssen den, ähm, Preis jetzt grade
stabil halten. Wir können die Industrie,
die Bevölkerung, wen dann auch immer
grade nicht noch mehr belasten."
Mhm.
Ist grad 'ne ganz, ganz aktuelle
Diskussion, ähm, weil, ähm, wir auch
hier in Schleswig-Holstein tatsächlich,
ähm, wir haben ja auch Chemiein-industrie
hier und grade in der Chemie, ähm, ist
es nicht so leicht zu dekarbonisieren
wie in anderen Sektoren, weil man halt
sehr strombasiert de-dekarbonisiert und
alles, was wir quasi nicht an Hausaufgaben
machen, ähm, beim Strom, ähm, das ist
halt das, ähm, was, was es halt schwierig
macht, ähm, auf weniger Zertifikate
brauchen zu können als Chemieindustrie,
auch am Standort Schleswig-Holstein,
weil man eben noch nicht und das ist
auch ein strukturelles Problem, was wir
haben, den kostgünstigen erneuerbaren
Strom, den wir produzieren, unbedingt
im Preis, äh, sich abbilden lässt.
So und das ist so 'n bisschen das Problem,
was grade massiv, ähm, thematisiert
wird, ähm, und deswegen auch diskutiert
wird, ob man noch mal Zertifikate,
ähm, also die, d-die Verknappung noch
mal 'n bisschen, äh, abflachen soll.
Also dass man da eben noch mal 'n
bisschen die, ähm, Zertifikate, also
mehr Zertifikate im System lässt,
weil man eben sagt, es gibt, ähm,
ja, äh, im Strommix noch nicht,
ähm, genügend De-Dekarbonisierung.
Ähm, ich halte das für 'ne gefährliche
Debatte, ähm, weil's einerseits
natürlich 'ne Blaupause ist für
Branchen, wo man eigentlich gut
dekarbonisieren könnte, jetzt erst
mal 'n bisschen langsamer zu machen.
Also selbst wenn man die Chemieindustrie
im Blick hat, ähm, es halt nicht nur
für die Chemieindustrie, äh, lösbar ist.
Ich halt es aber auch für 'ne gefährliche
Debatte, weil wir ja dieses marktbasiert
Instrument auch auf die Bereiche Wärme und
Verkehr ausweiten und die Hausaufgaben,
die in der Industrie nicht gemacht
werden, am Ende dann auch vom Verbraucher
gemacht werden müssen und dort die
Preise noch mal stärker steigen könnten.
Deswegen bin ich bei der Debatte,
also ich seh das Problem, also ich
seh das Problem, dass in, in einigen
Branchen es eben nicht so leicht ist
zu dekarbonisieren und das einfach auch
mit immensen Kosten, äh, verbunden ist.
Ähm, ich frag mich halt, ob das einzige
klimawirksame Instrument, ähm, das
wir eben in dem Bereich haben, jetzt
noch mal abzuschwächen, der richtige
Weg ist, obwohl ich das Problem sehe.
Deswegen bin ich auch noch
nicht fertig positioniert.
Ähm, es gibt ja auch erst 'nen
ersten Aufschlag von der, von
der Kommission, aber das ist die
Debatte, die wir grade führen.
Ich nenn den ETS immer so 'n bisschen die
heilige Kuh der europäischen Klimapolitik,
weil das 'n Instrument ist, das ist nicht
das präferierte der Sozialdemokratie.
Es ist vor allen Dingen ein
konservatives Instrument gewesen.
Ähm, und wenn man halt sagt, der Markt
soll das regeln, dann kann man nicht
immer wieder, ähm, du hast es ja gesagt,
die Politik ist ja irgendwie da auch
der Markt, kann man diesen Markt nicht
immer wieder ändern und so tun, als
wär es 'n marktbasiertes Instrument.
Also es ist es dann halt irgendwann
nicht mehr, weil der Markt jetzt
durch dieses Bepreisungssystem
eigentlich klare Anreize setzt.
Und wenn wir, wenn die einem nicht
passen, dann versucht man die
jetzt doch noch mal abzuändern.
Das ist so 'n bisschen das,
die Schwierigkeit, vor dem
wir in der Debatte stehen.
Mhm.
Du hast grade auch schon gesagt,
dass der ETS von anderen Ländern,
äh, auch okkupiert wurde,
glaube ich, hast du gesagt.
Glaubst du, dass die EU, äh, auch jetzt
noch, wo, mmh, vielleicht mehr Uneinigkeit
herrscht und nicht mehr der ganz so
große Drive, wie man ihn mal vor, ähm,
in der letzten Legislatur wahrgenommen
hat, glaubst du trotzdem, dass die EU
noch, ähm, klima- und energiepolitisch
globale Standards setzt und setzen kann?
Ich glaub schon, ähm, weil, ähm, die
globalen Partner haben den Emissionshandel
nicht einfach so, äh, also vielleicht
auch einfach so, aber schon auch aus
inspiriert durch Europa, auch durch
den Anreiz, den wir mit 'nem anderen
Gesetz gelegt haben, entwickelt.
Und zwar, ähm, haben wir ein strukturelles
Problem, ähm, wenn europäische Industrie
in diesem Emissionshandel ist und
eben, ähm, sich dekarbonisieren muss,
auf dem Weltmarkt gesehen natürlich
auch kein Nach-- wir haben 'ne
sehr exportorientierte Wirtschaft,
kein Nachteil entstehen sollte.
Deswegen haben wir uns Gedanken gemacht:
Wie kann man denn, ähm, dazu, ähm,
verhindern, dass die Dekarbonisierung
der Industrie zur Abwandung der Industrie
führt und eben oder das Überschwemmen von
externen Produkten, also bei Stahl war das
zum Beispiel eine ganz intensive Debatte:
Wie können wir Grünstahl in Europa
produzieren, ohne quasi dann, ähm, mit
kostengünstigeren chinesischen Stahl den
europäischen Markt überflutet zu bekommen?
Wir haben ein Instrument entwickelt,
das heißt Carbon Border Adjustment
Mechanism, äh, CBAM genannt.
Könnte es einfach als eine Art Klimazoll,
ähm, beschreiben, den Produkte wie zum
Beispiel Stahl, aber auch andere, ähm,
Produkte, die dadrunter gefasst sind, ähm,
die eben mit einer Art Klimazoll belegt
werden, wenn man, wenn Drittstaaten die
in die Europäische Union einführen müssen.
Man muss diesen Klimazoll nicht zahlen,
wenn man vorweisen kann, dass es einen
Emissionshandel in dem Land gibt, der
ähnlich funktioniert wie der europäische.
So und, ähm, deswegen haben viele Partner,
unter anderem auch China, äh, so einen
E-Emissionshandel eingeführt, damit sie
eben, ähm, trotz quasi grüner Auflagen
Zugang zum europäischen Markt haben.
Und genau das ist etwas, ähm, wie ich
europäische Klimapolitik verstehe, dass
sie einerseits klare Vorgaben macht,
ähm, genauso wie wir's ja auch zum
Beispiel bei Kinderspielzeug machen.
Kinderspielzeug darf keine
Giftstoffe enthalten.
Dafür gibt es Regeln auf dem Markt.
Und genauso wollen wir grüne
Nachhaltigkeitskriterien auf dem
europäischen Markt haben, die unsere
Handelspartner erfüllen müssen.
Dafür setzen wir eben auch dort Anreize
wie den CBAM, um das zu ermöglichen.
Das war ein kleiner Exkurs, aber ich
glaube, das ist noch mal, äh, wichtig
zu verstehen, wie einerseits Vorgaben
für europäische Unternehmen und
Wettbewerbsfähigkeit im globalen Sinne
miteinander verzahnt werden müssen.
Mhm.
Das heißt, ähm, auch wenn Europa jetzt,
ähm, was ihre Emissionen im globalen
Vergleich angeht, ja nicht zu den, zu den
größten Emittenten gehört, also zu großen
ja, definitiv, aber wir sind ja nicht,
wir sind ja nicht die größten, ähm, dann
ist der Europäische Markt und der Zugang
zu unserem Markt schon genug Anreiz, dass
andere, ja andere Staaten quasi sich 'n
bisschen an unsere Standards anpassen,
um diesen Zugang nicht zu verlieren.
Genau, das, so funktioniert das.
Ähm, wir sind auch ein sehr
verlässlicher Partner und Abnehmer.
Das ist, glaube ich, grade in Zeiten,
wo im Weißen Haus jemand täglich
würfelt, was für Zölle er jetzt für
welche Handelspartner definiert,
ähm, auch 'n wichtigen Faktor, den
wir als Europäische Union nicht,
ähm, nicht vernachlässigen dürfen.
Aber wir sind ein sehr wirtschaftsstarker
Raum mit vierhundertfünfzig Millionen
Einwohner, mit 'ner auch im globalen
Vergleich sehr, ähm, ja, also große
Konsumkraft, sage ich mal, die
dahinter steht und deswegen sind wir
ein interessanter Markt und, ähm,
deswegen gucken unsere Partner auch.
Aber wie gesagt, diese, dieses,
das kommt nicht von selbst.
Da muss man sich schon aktiv bemühen,
ähm, und nur Standards setzen und
zu sagen: „Jetzt folgt doch", das
wird nicht, ähm, funktionieren.
Deswegen ist auch ein wichtiger Teil,
den wir als Europäer oder auch als
europäisches Parlament sehr aktiv
immer begleiten, auch Klimadiplomatie.
Also dass wir auch mit unseren Partnern
sprechen, Zusammenarbeit auf Augenhöhe,
äh, Partnerschaften entwickeln, die eben
auch, ähm, ermöglichen, dass wir jetzt
nicht nur das nächste Wachstum nach der
industriellen Revolution hier in Europa
für uns erzeugen, sondern dass dafür auch
was für unsere Partner bei, bei rauskommt.
Das finde ich 'ne wichtige Dimension,
die wir auch immer mitdenken müssen.
Mhm.
Ja, auf jeden Fall.
Jetzt ist ja seit dem 1.
Mai diesen Jahres das Handelsabkommen
zwischen den Mercosur-Staaten
in Südamerika und der EU
zumindest vorläufig in Kraft.
Ähm, und auch das Abkommen mit
Indien steht ja vor dem Abschluss.
Haben diese Abkommen, ähm, 'n
Effekt auf die Energiewende und den
Klimaschutz bei uns oder ist es dort,
war ja jetzt nicht das Haupt-, äh,
Argument für die Abkommen selbst?
Nein und ja.
Also, ähm, was es eben, find ich,
grade zeigt, ist, dass wir, ähm, unsere
Handelspartnerschaften, also man nennt
das immer diversifizieren, also dass wir
halt uns auch, ähm, andere Abnehmer als
jetzt auch unsere großen Abhängigkeit
zwischen USA und China, ja, auch sichern
und Partnerschaften dort aufbauen.
Wir haben in beiden Handelsabkommen,
äh, sehr starke Nachhaltigkeits-,
äh, Kapitel, die dort, ähm, ja auch
Vorgaben in diese Partnerschaft geben.
Ähm, und das betrifft zum
Beispiel auch den Green Deal.
Also der Green Deal ist über zum
Beispiel Mercosur, ähm, aktiv geschützt
und auch Standards, die wir dort
auch als Europäer festlegen, die
sind eben auch Voraussetzung für
Produkte aus den Mercosur-Staaten,
die wir, äh, importieren wollen.
Also da gibt es schon auch, ähm, klare
Nachhaltigkeitsstandards, die wir in
unseren Handelsverträgen, ähm, verankern.
Und das find ich auch wichtig, weil,
ähm, wir wollen ja nicht nur irgendeinen
Freihandel, sondern wir wollen einen
wertebasierten Handel, der auf, auf
Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit beruht,
aber eben auch Nachhaltigkeitskriterien,
die wir in Europa aufbauen, schützt.
Also dass eben, ähm, ja dann 'ne
Ein Geben und Nehmen kommt und,
ähm, dementsprechend, äh, würd ich,
ähm, die beiden Abkommen auch als
sehr positive Beispiele nennen.
Es gibt durchaus auch natürlich Kritik
daran, auch, ähm, was gehandelt wird.
Also da gibt es einige, ähm, auch
Mercosur-Staaten und die Kritik, find
ich, die müssen wir als Europäer auch
immer reflektieren, die sagen, dass es,
ähm, ja vielleicht auch Schwierigkeiten
für Industrie von dort vor Ort gibt,
sich auch gegen europäische Produkte zu
behaupten zu können mit den Standards,
weil die Nachhaltigkeitsstandards
hier natürlich schon verankerter sind.
Ähm, genau, aber das ist so 'n Diskussion,
die wir halt auch weiterführen müssen
und halt gucken, wie das, wie das
Nachhaltigkeitskapitel in der Realität
auch mehr nachhaltigen Handel und auch
gleichberechtigten Handel ermöglicht.
Aber grundsätzlich würd ich das
erst mal als, äh, Möglichkeit
und, ähm, Chance für europäische
Klimapolitik auch sehen wollen.
Mhm.
Wollen wir noch mal auf
Schleswig-Holstein schauen.
W-welche Chancen siehst du hier für
uns, äh, in unserem Bundesland, äh,
durch die Industriepolitik, die, ähm,
klimafreundliche Industriepolitik der EU?
Mhm.
Also ich hab das 'n bisschen angedeutet
in der Diskussion um Zukunftstechnologien.
Also wir haben in Schleswig-Holstein
massiv erneuerbare Energien.
Wir sind aber eher Energielieferant
als Industriestandort.
Und ich glaube, durch diese aktive
Industriepolitik der Europäischen
Union, wie wir sie beschrieben haben
und auch durch die Möglichkeit,
die der NetZero Industry Act uns
gibt, können wir als Europäer eine
Art Silicon Valley der Energiewende
werden, um's mal so zu, zu beschreiben.
Also wir ne-nennen das ja auch NetZero
Valley als, ähm, Modellregion, wo, äh,
Schleswig-Holstein durch den Überschuss
an erneuerbare Energien, wenn wir ihn
dann schnell in Wasserstoffproduktion
geben können, auch wirklich 'n
Ansiedlungsgrund für Industrie sein kann.
Das braucht aber eben halt nicht
nur hoffen und warten, sondern
aktives politisches Handeln.
Und zwar nicht nur von der
europäischen Ebene, sondern
auch vom Land und auch vom Bund.
Ähm, und dementsprechend, ähm, find ich
es großartig, dass es, äh, diese auch
Initiativen von mehreren Kommunen in
Kreisen in Schleswig-Holstein gab, dieses,
diese Bewerbung einzureichen für das
NetZero Valley Wasserstoff, um eben auch
diese Vorzüge und die Anreize, die Europa
vergeben will, ähm, nutzen zu können.
Also das hoff ich und dafür werd ich mich
als Europaabgeordnete auch einsetzen, dass
Schleswig-Holstein da in Betracht gezogen
wird, eben dann zu profitieren von den
schnelleren Genehmigungsverfahren, von zu
privilegierten Zugang zu Fördermitteln,
damit wir eben zeigen können, Erneuerbare,
der Ausbau von Erneuerbaren, der lohnt
sich, weil man Zukunftstechnologien
und neue Industriearbeitsplätze in
Schleswig-Holstein schaffen kann.
So, das wäre die Hoffnung, äh, die ich
für Schleswig-Holstein habe und für die
ich als Europaabgeordnete auch kämpfe.
Also konkret siehst du für
Schleswig-Holstein da Chancen
in der Wasserstoffproduktion.
Absolut.
Ähm, und was ja noch nicht vom Tisch
ist, aber ja irgendwie doch auch sehr
schleppend ist: Die Batterieproduktion
in Schleswig-Holstein- Ja.
-war ein großer Wunsch, ist er, glaub
ich, immer noch, aber ist schwierig.
Ist schwierig.
Glaub ich auch noch mal 'ne,
äh, 'ne Podcast-Folge wert.
Da kann ich auch noch
'n paar Leute empfehlen.
Es gibt ja, ähm, heute, wenn wir den
Podcast aufzeichnen, auch grad noch mal
'ne, 'n Bericht über das Handeln der
Landesregierung in der Frage Northvolt.
Äh, find ich 'ne wichtige Diskussion.
Also wie kann man aktive
Industriepolitik begleiten?
Wie kann man das aber auch transparent
tun und auch andere mitnehmen?
Genau, aber das ist der Weg und ich glaub,
grade Batterie, ähm, ist halt 'ne zentrale
Zukunftstechnologie, die wir brauchen,
die ja auch noch mit anderen Komponenten
kommt, die auch Potenzial, ähm, haben.
Stichwort Kreislaufwirtschaft.
Ähm, wir müssen auch drüber sprechen,
wie wir Ressourcen effizienter nutzen
und da, ähm, um die Batterietechnologien
sollte sich ja auch die Frage drehen:
Wie kann man eigentlich 'nen, 'n
Kreislauf, ähm, dort auch schließen?
Also auch Potenziale für
weitere Industriezweige.
Genau.
Wasserstoff, Batterien sind
Zukunftstechnologien, die wir nach
Schleswig-Holstein holen könnten
durch unsere attraktive Lage mit
Erneuerbaren und dann auch 'ner
gut ausgeprägten, hoffentlich
Wasserstoffwirtschaft, die eben dann auch
dekarbonisierte Industrieprozesse, äh,
in Schleswig-Holstein möglich machen.
Mhm.
Du hast grade
Kreislaufwirtschaft angesprochen.
Ist das vielleicht auch noch mal
'ne Chance für, ähm, Deutschland und
Schleswig-Holstein, ähm, dass man
vielleicht sagt, die Produktion von
Solaranlagen, Batterien, Windrädern ist
uns ja so 'n bisschen, ähm, entglitten.
Ähm, könnte Kreislaufwirtschaft vielleicht
'ne Möglichkeit sein, Teile davon
zurückzuholen und dass man, äh, dass
man das nutzt als, als Mittel, um auch
wieder inländische Produktion zu haben?
Absolut.
Ich hab grad 'ne Zahl zum Thema
Kreislaufwirtschaft gelesen, die mich
wirklich unfassbar schockiert hat.
Und zwar ist es so, dass wir vom globalen
Bruttoinlandsprodukt ein Drittel der
Wertschöpfung, die wir dort machen, also
ein Drittel, das muss man sich vorstellen.
Wir reden immer darüber, wie
wichtig Wachstum ist und dass das
BIP wachsen muss und so weiter.
Aber ein Drittel dieses Wachstums
schmeißen wir momentan einfach weg, weil
wir Ressourcen nicht wiederverwenden.
Das ist, find ich, so
'ne abgefahrene Zahl.
Und genau das, ähm, ist, find ich, die
zentrale Frage, wie wir Ressourcen,
die wir eh schon nutzen, die eh schon,
äh, da sind, einfach wiederverwenden
können, um uns eben auch unabhängiger
machen, äh, weil ja nicht nur Energie
importiert wird, sondern auch andere
Rohstoffe, ähm, dass wir dort Kreisläufe
in Europa schließen können, Produkte
überhaupt, äh, kreislauffähig machen.
Also das hat ganz viel nicht nur
mit, ähm, mit den Produkten selbst,
sondern auch mit dem Design zu tun.
Äh, und da sehe ich sehr viel Musik,
ähm, auch grade drin, weil das ein Thema
ist, was bisher noch nicht viel beachtet
wurde, wo die Kommission angekündigt hat,
dass sie einen großen Circular Economy
Act machen will, um eben zu schauen,
wie wir Europa, Ressourcenkreisläufe
in Europa schließen können.
Und das ist ja immer mit Infrastruktur
und auch mit Arbeitsplätzen.
Also gibt's unterschiedliche
Schätzungen, dass sehr viele
Arbeitsplätze entstehen können durch
'ne funktionierende Kreislaufwirtschaft
und auch da ist sicherlich 'ne
Chance für Schleswig-Holstein drin.
Ja.
Delara, wir müssen leider zum Ende kommen.
Es macht sehr Spaß, mit dir zu
schnacken, aber eine letzte Sache,
die du noch gerne loswerden möchtest,
wo du sagst, vielleicht hat der ein
oder andere uns nebenbei gehört beim
Kochen, beim Laufen, wie auch immer.
Man hört ja vielleicht nicht
hundertprozentig zu, wenn du jetzt
sagst: „Noch einmal Ohren spitzen."
Was würdest du gerne noch
loswerden an unsere Zuhörer:innen?
Zwei Dinge: Einerseits sollte
rübergekommen sein, dass Klimapolitik
nicht nur was für Ökos ist, sondern
eine krasse sicherheitspolitische
und wirtschaftspolitische Frage,
die wir als Europäer nutzen müssen.
Das sollte hängen bleiben
von dem, was ich sage.
Und zweitens, ähm, immer die Ohren
spitzen, wenn irgendwie Brüssel-Bashing
betrieben wird, ähm, weil ich glaube,
dass, ähm, grade die europäischen
Rahmenbedingungen für uns in
Schleswig-Holstein so viele Chancen bögen,
dass, ähm, wir immer wenn Brüssel-Bashing
gemacht wird, vielleicht noch mal die
Schlagzeile drunter lesen sollten oder
am besten noch bei den Europaabgeordneten
aus Schleswig-Holstein nachzufragen, ähm,
was es eigentlich damit auf sich hat.
Also ich glaube, das wären
so die beiden Botschaften.
Sehr schön.
Also Leute, das habt ihr jetzt gehört
und das vergesst ihr bitte nie wieder.
Äh, ich möchte mich bei dir bedanken.
Schön, dass du da warst, Delara.
Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht
und allen, die uns zuhören, denen
möchte ich noch mitgeben: Wenn euch die
Folge gefallen hat, dann tut uns doch
den großen Gefallen, ähm, und leitet
sie an Menschen weiter, die das Thema
vielleicht auch interessieren könnte,
die auch diese zwei wichtigen Botschaften
von Delara unbedingt hören müssen.
Das hilft uns auf jeden Fall, damit
wir mit diesen wichtigen Themen
noch mehr Menschen erreichen.
Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Danke dir.
Ciao.
Ciao.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH