Energiewende und Naturschutz: Wie passt das zusammen, Tobias Goldschmidt?
SHift - der Norden macht Zukunft
31.08.2026 24 min
Zusammenfassung & Show Notes
Die Energiewende in Schleswig-Holstein vorantreiben und trotzdem die Umwelt und die Artenvielfalt schützen - mit diesen Themen balanciert unser Gast in seinem Job täglich: Heute sitzt Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Die Grünen) mit uns am SHIFT-Kaffeetisch, der Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein.
Sandra und Niklas wollten von Tobias u.a. wissen:
Sandra und Niklas wollten von Tobias u.a. wissen:
- Wie hoch ist die Akzeptanz der Energiewende in Schleswig-Holstein ist
- Ob und wie sich die Energiewende und der Umweltschutz gegenseitig begünstigen
- Wie der Ausbau von Offshore-Anlagen und der Schutz unserer Meere zusammen funktionieren
- Was Agri-Photovoltaik ist und welche Idee dahintersteckt
- Ob die Energiewende schnell genug geht
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Transkript
Die erneuerbare Energien sind
der wesentliche Schlüssel
für den Umweltschutz.
Wenn die Klimakrise weiter so
vor sich hin galoppiert, wird's
irgendwann keine Eisbären mehr geben.
Das ist doch das beste Beispiel
dafür, dass wir den Klimaschutz machen
müssen, um die Umwelt zu schützen.
Aber sicherlich gibt es auch Menschen,
die sich um bestimmte Arten sorgen,
weil irgendwo ein Windkraftprojekt ist.
Wenn jemand sagt, hier ist jetzt
vielleicht 'ne Moorfläche, wo ich
besondere Wiesenbrüter habe und ich
möchte, dass das gesehen wird und geprüft
wird im Genehmigungsverfahren, dann
finde ich das 'nen total legitimen Punkt.
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift – Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der EKSH
Tobias, ähm, lieber einen neuen
Windpark bauen oder ein neues
Naturschutzgebiet festlegen?
Beides gleichzeitig.
Das schließt sich auch
überhaupt nicht aus.
Kann nur nicht auf der
gleichen Fläche sein.
Okay, prima.
Dann geht's los.
Vielen Dank für alle, die uns zuhören.
Wir freuen uns, dass alle dabei sind.
Ähm, und wir haben 'n ganz
spannenden Gast dabei.
Niklas, wer sitzt uns denn hier gegenüber?
Genau, lieber Tobias Goldschmidt,
schön, dass du da bist.
Wir freuen uns, dass du zu
Gast bei uns bei Shift bist.
Du bist seit 2022 Minister für
Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und
Natur des Landes Schleswig-Holsteins.
Ähm, du bist, wenn wir richtig gerechnet
haben, mit 17 Jahren, äh, bei den Grünen
eingetreten als, als richtiger Jungspund.
Mhm.
Ähm, und wie wir gerade schon gehört, äh,
haben, vertrittst du sowohl die Bereiche
im Ministerium, Umwelt und Energiewende.
Versuchst du da, diese beiden
Welten immer eher zu vermitteln oder
stehst du oft selbst im Konflikt
zwischen diesen beiden Bereichen?
Das gehört einfach beides zusammen.
Ich meine, es geht ja darum, dass wir
in 'ner guten Zukunft leben wollen,
in 'ner guten Welt leben wollen.
Und da hilft es uns überhaupt nichts,
wenn wir einfach nur klimaneutralen
Strom produzieren und uns aber
die Artenvielfalt zusammenbricht.
Das ist für den Menschen, äh, das
gleiche Problem, äh, denn er braucht
gesunde natürliche Lebensgrundlagen
und wir wollen beides erreichen.
Und wir brauchen den Klimaschutz
und die Energiewende dafür, dass
wir die Arten schützen können, weil
die Klimakrise ist eine der größten
Herausforderungen für den Artenschutz.
Aber wir brauchen auch die Artenvielfalt,
damit wir selber gesund leben können.
Ich meine, wir wollen ja nicht, dass,
äh, die Nahrungsketten zusammenbrechen.
Wir wollen resiliente Ökosysteme
haben, die nicht zu permanent
neuen Pandemien führen.
Insofern, ich sehe da
gar keinen Widerspruch.
Natürlich auf der einzelnen Fläche,
beim einzelnen Projekt, da kann das,
äh, durchaus mal zur Sache gehen
und auch Kompromisse erfordern.
Und die haben wir in Schleswig-Holstein
eigentlich immer ganz gut gefunden.
Und genau darüber wollen
wir heute sprechen.
Das ist also 'ne super
Einleitung für mich.
Ähm, wir sprechen über Energiewende
und Umweltschutz, äh, ob es ein
Gegensatz oder der perfect fit ist.
Ähm, und da wollen wir uns erst mal die
Praxis in Schleswig-Holstein angucken
und die Konfliktfelder, die es dort
möglicherweise gibt, die hast du ja
quasi schon so 'n bisschen angesprochen.
Schleswig-Holstein ist
Vorreiter bei der Windenergie.
Auch bei PV, äh, können wir
uns, glaube ich, sehen lassen.
Batteriespeicher werden hier ausgebaut.
Das alles braucht Fläche,
das alles braucht Akzeptanz.
Und da fragen wir uns: Wo knirscht es
denn aktuell am meisten, wenn wir immer
hier in Schleswig-Holstein unterwegs sind?
Mal so 'n Blick in die Praxis.
Du sprichst viel mit den
Menschen, du bist dort.
Lass uns mal teilhaben.
Also wir haben 'ne hohe
Akzeptanz in Schleswig-Holstein.
Das sagen immer alle Studien.
Ähm, manchmal ist die öffentliche
Diskussion 'n bisschen eine andere.
Die stellt eher die
Probleme in den Vordergrund.
Aber in Schleswig-Holstein ist doch der
Rückhalt der Energiewende sehr hoch.
Das, äh, kann ich so sagen.
Und wenn ich mir anschaue, was ich so
als Minister für Briefe auf den Tisch
bekomme, dann sind es immer noch deutlich
mehr Briefe von Bürgermeistern, die sagen:
"Ich möchte auch 'ne Windfläche haben.
Ich hab hier 'ne Entwicklung, die ich
vorantreiben möchte", als Briefe von
Leuten, die sagen: "Windkraft, das
ist vorher, das will ich nicht haben,
das verschandelt die Landschaft."
Und das hat auch damit zu tun,
wie wir in Schleswig-Holstein die
Flächenplanung gemacht haben mit unseren
Vorrangflächengebieten, dass wir immer
auch keinen Zweifel dran gelassen haben.
Energiewendeland bedeutet auch,
dass es Flächen gibt, wo keine
erneuerbaren Energien stehen und wo
vielleicht der Naturschutz oder die
Landwirtschaft im Vordergrund steht.
Ist denn das ganze Thema rund um Vogel und
Flederschutz immer noch 'n großes Thema
oder hat sich das 'n bisschen relativiert?
Das ist 'n großes Thema.
Da sind ja auch Kompromisse gemacht
worden von Seiten des Artenschutzes.
Das heißt, bestimmte Schutzabstände
zu Großvögeln, zum Beispiel zu
Störchen oder zu Seeadlern, sind
reduziert worden, als es darum ging,
Deutschland schnell unabhängig zu
machen von den fossilen Energieträgern.
Das waren schmerzhafte Kompromisse
auch für mich, äh, zumal in
Schleswig-Holstein der Windkraftausbau
auch im alten Artenschutzrecht sehr,
sehr gut gelaufen ist und wir diese
Beschleunigung und Veränderung an der
Stelle gar nicht gebraucht hätten hier.
Aber ich weiß, andere Kollegen in
anderen Bundesländern brauchen das,
um dort auch Tempo aufzunehmen.
Insofern haben wir diese
Kompromisse gemacht.
Die waren teilweise schwer, ähm,
aber sie waren dann am Ende auch
richtig, denn es geht ja darum,
möglichst schnell loszukommen von dem
fossilen Scheiß, sage ich einfach mal.
Denn, äh, das, was gerade stattfindet,
wir beobachten das ja in diesem Sommer
auch, das ist wirklich eine Katastrophe.
Das sind keine Rekordsommer, das
sind wirklich Klimakrisensommer.
Ja, ja, wir merken's auch.
Heute ist wieder so 'n
richtig schön warmer Tag.
Äh, mir ist auf jeden Fall sehr warm.
Nun haben wir das Glück, dass wir ja
auch, ähm, zwischen zwei Meeren leben.
Das heißt, für uns ist nicht nur
relevant, äh, was wird auf 'm
Land ausgebaut, sondern auch,
was wird auf 'm Meer ausgebaut.
Und auch dort steht sich natürlich
manchmal dann der Offshore Windpark,
äh, dem Meeresschutz gegenüber.
Ist richtig.
Die Meere werden teilweise
industrialisiert.
Die Nordsee mit den siebzig Gigawatt,
die da geplant sind, da werden einfach
unfassbar viele Windkraftanlagen stehen.
Das wird das Kraftwerk der deutschen
Industrie, was da geplant ist.
Und das sind schon
schmerzhafte Kompromisse.
Aber nicht alles daran ist schlecht, denn
das sind zum Beispiel Meeresgebiete, wo
in der Vergangenheit viel gefischt wurde,
auch industriell gefischt wurde, ähm,
wo künftig einfach dann der Meeresboden
in Ruhe gelassen wird, wo durch die
Windkraftanlagen dann auch so 'ne
Art riff, äh, riff förmige Strukturen
entstehen, also neue Lebensräume.
Und, ähm, ja, es geht darum,
ähm, dort Klimaschutz zu machen
und wir müssen den Eingriff, der
stattfindet, stark minimieren.
Deswegen bauen wir in Schleswig Holstein,
wir sind ja vor allen Dingen von den
Leitungen betroffen, die dann von
den Offshore Windanlagen kommen, äh,
leiten wir diese, äh, Kabel über einen
Korridor an Land, sodass der Nationalpark
Wattenmeer möglichst nur an einer Stelle
immer wieder betroffen ist und die anderen
Bereiche des Wattenmeers geschützt werden.
Also da, äh, hilft sogar der Offshore
Windpark dann dem, dem Tierschutz, äh,
weil dort dann das Fischen verboten ist.
Das klingt ja schon mal super.
Ein letztes Thema würd ich noch, äh, in
dieser Reihe ansprechen wollen und das
ist die, äh, Freiflächen Photovoltaik.
Ähm, hier wird ja auch sehr viel Fläche
für gebraucht und gleichzeitig gibt es
ja auch diese neuere Form der, ähm, Agri
Photovoltaik, wo landwirtschaftliche
Flächen und, ähm, Solarstromerzeugung
kombiniert werden Ist das etwas, was in
Schleswig-Holstein große Ausbauziele hat?
Ja, weil vielleicht ja auch nicht
alle so viel sich mit dem Thema
befassen, ist glaube ich noch
mal immer wichtig, wenn wir über
Photovoltaik sprechen, zu unterscheiden.
Wir haben die klassische Vo,
Photovoltaik auf den Dächern,
auf den versiegelten Flächen.
Wir haben die Photovoltaik auf der
freien Fläche, also auf den Feldern.
Die Platten stehen häufig entlang
von Autobahnen sehr eng beieinander.
Und wir haben, äh, die Idee,
Agri-Photovoltaik zu machen, das
heißt Flächen mehrfach zu nutzen.
Das heißt beispielsweise aufgeständerte
Photovoltaikanlagen zu bauen und
darunter dann Landwirtschaft zu machen.
Das ist natürlich 'ne Form von, äh,
Photovoltaik, die ziemlich genial ist,
äh, weil sie einfach die Fläche mehrfach
nutzt und man kann Fläche nicht vermehren,
wir müssen schonend mit ihr umgehen.
Auf der anderen Seite hat
Agri-Photovoltaik auch ein paar Nachteile.
Es ist nämlich relativ teuer,
diese Aufständerung zu bauen,
schränkt auch die Landwirtschaft an
diesen Stellen ein Stück weit ein.
Und Schleswig-Holstein ist ehrlicherweise
nicht der allerbeste Standort dafür,
weil wir hier viel Wind haben und
diese Aufständerungen müssen, äh,
sehr, sehr stabil gebaut werden.
Ähm, aber ja, man muss die Fläche
mehrfach nutzen und es wird auch in
Schleswig-Holstein Agri-PV-Projekte geben.
Ich finde übrigens auch, dass es in
bestimmten Konstellationen auch mit
dem Naturschutz durchaus kompatibel
sein kann, äh, beispielsweise auf
Blühwiesen mit Photovoltaikanlagen zu
arbeiten und in dem Fall dann Mehrwert
für die, äh, äh, Insektenwelt, aber
auch für die Energiewende zu schaffen.
Und, äh, was mir auch immer wichtig ist,
ist, dass natürlich Photovoltaik auf
versiegelten Flächen das Allerbeste sind.
Also ich finde kein Dach, äh, das
eine Photovoltaikanlage tragen kann,
sollte verschenkt werden, indem
dort keine Photovoltaik gebaut wird.
Deswegen haben wir in dieser
Legislaturperiode auch eine Verpflichtung
eingeführt, ähm, Photovoltaikanlagen
auf Neubauten vorzusehen.
Die Bundesregierung ist da in
andere Richtungen unterwegs.
Ich finde das komplett falsch
und schlimm, äh, aber wir hier in
Schleswig-Holstein haben ganz klar
den Fokus auf Photovoltaikanlagen,
auf versiegelten Flächen.
Das Thema Geschwindigkeit ist ja auch
häufig so ein stark diskutiertes bei
der Energiewende, dass hier und da
gesagt wird, das geht alles zu schnell,
die Bevölkerung kommt da nicht mit.
Ähm, siehst du das ähnlich, dass
wir da vielleicht zu schnell
sind im Ausbau oder wirst du eher
sogar sagen, wir sind zu langsam?
Wir sind viel zu langsam.
Also ich war ja derjenige, der den
Anruf von der Bundesregierung damals
bekam, als der Krieg Russlands gegen
die Ukraine losgegangen ist und die
Energieversorgung Deutschlands nicht
mehr gewährleistet werden konnte und der
dann den Anruf kriegte: „Sieh mal zu,
dass hier ein erschwimmendes LNG-Terminal
in Brunsbüttel an die Kaikante kommt,
dass die Pipeline dafür gebaut wird."
Das zeigt doch, wie verwundbar wir
geworden sind und, äh, dass da einfach
über viele Jahre viel zu langsam
Energiewende gemacht worden ist.
Ich sehe schon auch, dass
das eine Belastung ist, aber
was ist denn die Alternative?
Einfach sehenden Auges weiter in der
Abhängigkeit bleiben, weiter dafür
sorgen, dass ein Rekordsommer auf den
nächsten Rekordsommer, ähm, folgt.
Das RKI, äh, Robert Koch Institut, äh,
vermeldet ja schon wieder 10.000 Tote
infolge der Hitzewellen in diesem Jahr.
Wollen wir uns damit abfinden?
Ich finde nicht.
Und deswegen glaube ich nicht,
dass wir zu schnell sind, sondern,
äh, wir müssen Tempo aufnehmen.
Allerdings stehen da ja oft,
ähm, Genehmigungsverfahren im
Weg, unter anderem auch für den
Umweltschutz, also Umweltprüfungen.
Würdest du dann sagen, dass dort
der Umweltschutz das Ganze so
ein bisschen ausbremst auch?
Ich würd's andersrum sehen.
Wir sind superschnell, was die
Genehmigung angeht, mit die
schnellsten in Deutschland.
Wir sind, äh, haben Rekordzahlen
bei den Genehmigungen, weil wir
hier 'n klaren Kompass haben.
Weil wir sagen, die
Energiewende hat Priorität.
Das haben wir sogar im
Gesetz festgehalten.
Ähm, und deswegen sind die
Genehmigungsbehörden in
Schleswig-Holstein wirklich,
wirklich sehr schnell und bemüht.
Aber Teil von Genehmigungsverfahren
ist ja eben auch zu gucken: Hat
das auch Nachteile, was ich mach?
Hat das Nachteile für die
Artenvielfalt, für die Menschen, für den
Wohnumfeldschutz, für die Landschaft?
All das muss ja abgeprüft werden.
Wir wollen ja nicht, äh, die Energiewende
mit der Planierraupe machen, sondern
wir wollen die ja gut managen.
Und ich finde, das tun wir.
Und wenn dann 'n Genehmigungsverfahren
mal was 'n Monat länger dauert, ist das,
glaub ich, absolut verkraftbar, wenn
hinterher 'ne gute Planung rauskommt.
Aber würdest du sagen, dass
dann noch mehr Beschleunigung,
noch mehr Vereinfachung bei den
Genehmigungsverfahren reinkommen könnte?
Und wenn ja, quasi wo ist
da das Vertretbare noch?
Also wo liegt so 'n bisschen die
Antwortung, Verantwortung darin, dass auch
'n bisschen auch, ähm, auch immer noch
Genehmigungsprüfung zuzulassen und dass
es auch 'n wichtiger Part des Ganzen ist?
In den Genehmigungsverfahren
haben wir sehr, sehr viel bewegt.
Ich glaube, bei der Digitalisierung
ist da noch einiges zu tun.
Ähm, da sind wir bei den
immissionsschutzrechtlichen Verfahren
inzwischen auch schon sehr weit.
Aber dass 'n Genehmigungsverfahren sollte
keine Zeit, äh, dadurch verlieren, dass
die eine Behörde auf die andere Behörde
oder irgendwelche Postläufe wartet.
Da ist sicherlich noch
Optimierungspotenzial bei den,
äh, Anforderungen, die es gibt und
bei den rechtlichen Regularien,
die eingehalten werden müssen.
Da würde ich jetzt mal Frieden einkehren
lassen und sagen, wir sind da jetzt,
haben da viel gemacht und, äh, sind
da jetzt eigentlich gut aufgestellt.
Aber ich hab auch die Erfahrung gemacht,
Genehmigungen gehen immer dann schnell,
wenn in den Behörden klar ist, ein
Projekt hat 'ne gewisse Priorität,
auch 'ne politische Priorität, äh,
und wenn Genehmigungsverfahren und
auch Projekte gut gemanagt sind.
Das ist eigentlich der
Erfolgs-, äh, Motor.
Wenn Ausgleichsflächen zum Beispiel
schnell zur Verfügung gestellt werden
können, was in Schleswig-Holstein extrem
schnell funktioniert dank der Stiftung
Naturschutz, äh, und anderen Akteuren,
die Ökokonten anbieten, dann ist das
'n Beitrag zur Planungsbeschleunigung,
Genehmigungsbeschleunigung.
Da kann man viel in
Schleswig-Holstein auch lernen.
Okay, Genehmigungen sind
immer 'n hartes Thema.
Ich glaub, wir machen 'ne
kleine Shift-Quiz-Pause.
Wir spielen ja immer einmal pro Folge ein
kleines Quiz und, äh, du hast das Glück,
du darfst mit uns entweder oder spielen.
Das heißt, äh, ich, äh, lese dir,
äh, kurze Fragen vor mit zwei
Auswahlmöglichkeiten und im besten
Fall entscheidest du dich für eine.
Äh, ich geb dir auch einen Joker,
dass du mal beide sagen darfst.
Aber nur einen.
Nur einen, nur einen.
Also nutze ihn weise.
Das ist schon sehr kulant von dir, ne?
Ja.
Und wär schön, wenn du deine Antwort
mit 'nem kurzen Nebensatz auch
begründest, ansonsten werd ich
wahrscheinlich noch mal nachfragen.
Alles klar.
Super.
Also nicht nur deutsche Antworten,
sondern ein bisschen Kontext geben.
Genau, genau.
Ganz bisschen.
Aber nicht zu viel.
Also schon noch norddeutsch.
Ja, okay.
Ähm, prima, dann fangen wir an.
Ähm, Naturschutz priorisieren
oder Energiewende beschleunigen?
Beides.
Und damit ist der Joker verfeuert.
Ja, genau, haben wir eigentlich
gerade schon viel drüber gesprochen.
Ich hab mit der Antwort
jetzt auch gerechnet.
Äh, deswegen mach ich direkt weiter, da
musst du gar nicht groß zu kommentieren.
Lieber unpopuläre Entscheidung
treffen oder länger Konsens suchen?
Lieber unpopuläre Entscheidungen
treffen, die diskutieren und manchmal
entsteht dadurch ein neuer Konsens.
Okay, fair.
Ähm, Energiewende im Norden vorantreiben
oder gerechter bundesweit verteilen?
Die Energiewende im Norden ist der
beste Beitrag dazu, dass wir bundesweit
'ne gute Energiewende haben, denn hier
sind die erneuerbaren Energien günstig
und, äh, wir werden unserer Rolle als
Vorreiter gerecht für ganz Deutschland.
Äh, und die letzte Frage:
Mehr staatliche Steuerung oder
mehr den Markt regeln lassen?
Im Energiebereich definitiv mehr
den Markt regeln lassen, grade was
das Thema Strompreissignale angeht.
Also die Fragestellung: Wann soll ich
'ne Anlage anschalten, äh, zur Erzeugung
von Strom oder zur Abnahme von Strom?
Brauchen wir viel mehr Markt und
auch unterschiedliche Preissignale.
Haben wir doch superschnell was gelernt.
Dann können wir wieder
abtauchen, oder Niklas?
Genau, wir machen weiter mit den
normalen Fragen und, ähm, wir
hatten schon das Thema Akzeptanz.
Ähm, du sagtest schon, dass in
Schleswig-Holstein vergleichsweise eine
hohe Akzeptanz für Energiewende besteht.
Trotzdem wird's Leute geben, die jetzt
Windkraftanlagen oder Stromtrassen
jetzt nicht superschön finden, das
in der Nähe ihres Wohnortes zu haben.
Ähm, und man geht ja mit den
Erneuerbaren ja auch sehr in die Fläche.
Oft wird dann Umweltschutz als
Argument gehalten, dass, dass,
dass man das nicht machen sollte.
Glaubst du, dass es, äh, Umweltschutz
ist wirklich oft das valide
Argument, was die Leute nehmen?
Oder werden viele dann einfach nur
von heute auf morgen auf einmal zu
Vögelschützern, äh, der eigentliche
Grund, warum sie es aber nicht wollen,
ist einfach nur der Anblick vielleicht?
Gibt solche und solche.
Und aus der Fragestellung akzeptieren
die Menschen eigentlich die
Energiewende, äh, ist ja noch nicht
die Frage beantwortet, ob die Menschen
eigentlich die Klimakrise akzeptieren.
Und ich glaube, die Gruppe derjenigen, die
die Klimakrise nicht wollen und die die
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
nicht wollen, die ist zigfach größer
als diejenigen, die grundsätzlich
was gegen Windkraftanlagen haben.
Wir haben natürlich bei Windkraftanlagen
das Thema, dass Menschen die haben wollen,
aber vielleicht nicht gerade bei sich.
Und das ist natürlich immer
die Fragestellung: Wie viel
Eigentumsverpflichtung hat man auch?
Also welchen eigenen Beitrag kann man auch
dazu leisten, dass es einem Land gut geht?
Und ich glaub, da haben wir als
Gesellschaft schon noch, äh, viel
nachzuholen und viel zu diskutieren.
Und das ist ja nicht nur
bei der Energiewende so.
Viele Menschen sagen, wir brauchen
Sozialreformen, aber vielleicht
grad nicht in meinem Lebensbereich.
Oder wir brauchen mehr Klimaschutz,
müssen da viel mehr tun.
Aber meine Heizung, da will ich vielleicht
doch noch mal 'ne Gasheizung einbauen.
Und davon müssen wir wegkommen,
weil die Klimakrise ist voll da
und, äh, wir brauchen alle Menschen,
die mitmachen bei dem Klimaschutz.
Und natürlich hat der Staat die
Verantwortung, die Rahmenbedingungen dazu
schaffen, dass alle mitmachen können.
Aber, äh, es muss schon ein
Mitmachprojekt sein und ich seh
ehrlich gesagt nicht, dass wir 'ne
Akzeptanzkrise haben bei der Energiewende.
Und was würdest du den Personen
sagen, bei denen wirklich die, die
Bedeutung von Umweltschutz sehr
hoch ist und sie deshalb vielleicht,
ähm, erneuerbare Energien ablehnen?
Was sind da die Argumente aus deiner
Sicht, äh, um das zusammenzubringen
in der- Die erneuerbaren
Energien sind der wesentliche
Schlüssel für den Umweltschutz.
Ich meine, wenn die Klimakrise weiter,
äh, so vor sich hin galoppiert, wird es
irgendwann keine Eisbären mehr geben.
Und das ist doch das beste Beispiel
dafür, dass wir den Klimaschutz machen
müssen, um die Umwelt zu schützen.
Aber sicherlich gibt es auch Menschen,
die sich um bestimmte Arten kö, sorgen,
weil irgendwo ein Windkraftprojekt
ist und ich find das legitim.
Also nicht jedes Argument, was
gesucht wird, ist, äh, legitim.
Aber wenn jemand sagt, hier ist jetzt
'n vielleicht 'ne Moorfläche, wo ich
besondere Wiesenbrüter habe und ich
möchte, dass das gesehen wird und geprüft
wird im Genehmigungsverfahren, äh, dann
finde ich das 'n total legitimen Punkt.
Du hast mal vor etwas über zwei Jahren in
einem Zeitinterview gesagt, dass man die
ursprüngliche Planung bei dem Netzausbau,
damals war die ursprüngliche Planung war,
das, äh, als Erdverkabelung zu machen.
Äh, dann kam aber eher so 'n
bisschen die Thematik auf, auf
Kostengründen, vielleicht auch eher,
äh, das als Freileitung zu machen.
Ähm, und du hast gesagt, das sollte man
nicht machen, um einfach die Akzeptanz
der Leute aufrechtzuhalten, weil
einfach bei Erdkabelung, wenn's nicht
sichtbar ist, ist die Akzeptanz höher.
Ähm, siehst du's heute noch genauso?
Ja, sehe ich noch ganz genauso.
Ähm, die Frage ist ja immer, was,
was darf es uns kosten und wie
wollen wir die Energiewende planen?
Und ich glaube, dass die Investition
in Erdkabel 'ne gute Investition
ist, und zwar immer in den Fällen,
wo man leicht 'n Erdkabel bauen kann.
Und das ist bei den Gleichstromleitungen,
also bei den riesengroßen
Stromautobahnen, der Fall.
Die sind leicht technisch
als Erdkabel zu bauen.
Die sind natürlich teurer.
Und ich finde, dass man, äh, wenn man ein
Land so verändert durch die Energiewende,
wie wir das grade tun, dass es auch etwas
kosten darf, die Landschaft zu schonen.
Und ich glaube, dass es nicht
richtig ist, wenn man immer
wieder die Regularien verändert.
Ursprünglich waren die Leitungen
als Freileitung geplant auf Masten.
Dann gab es Widerstand, dann haben Herr
Seehofer und Herr Gabriel damals, als sie
in der Verantwortung waren, gesagt: „Nee,
jetzt soll alles verkabelt werden", weil
die Konflikte in ihren Wahlkreisen hatten.
Dann hat man gesagt: „Jetzt ist die
Planungsprämisse Erdkabel." Und dann jetzt
hinzugehen und, äh, zu sagen: „Oh, jetzt
ist uns aber aufgefallen, das ist teuer."
Also das glaubt einem da keiner.
Das, äh, wusste man vorher,
dass das teuer wird.
Und man hat die politische Entscheidung
getroffen in der großen Koalition
damals, wir investieren dieses Geld
in den Schutz der Landschaft und
dass die Menschen nicht über Gebühr
strapaziert werden durch neue Leitungen.
Da kann man jetzt nicht hin
und her flipfloppen, weil sich
der Wind gerade gedreht hat.
Also da braucht man dann auch
einfach Planungssicherheit.
Also Akzeptanz der
Gesellschaft vor Kosten.
Ja, kein Hin und Her permanent.
Ne, das ist ein Stück weit teurer.
Es ist aber auch die wichtigste
Zukunftsinfrastruktur unseres
Landes, die Strominfrastruktur.
Da wird alles dran hängen am Ende.
Das sind Leitungen, die liegen vierzig
Jahre in der, äh, in der Erde drin
und dann kann sich die drittgrößte
Volkswirtschaft der Welt auch entscheiden,
'n Euro mehr zu investieren in so 'ne
Infrastruktur, weil das demokratisch
so beschlossen gewesen ist und sollte
nicht einfach aus politischen Erwägungen
jetzt sagen: „Jetzt ist uns aber
aufgefallen, es wird doch teurer."
Das hat man von Anfang an gewusst.
Ja, da haben sich auch
Unternehmen drauf eingestellt.
Also das eine ist ja der Bürger oder
die Bürgerin, die sagt: „Jetzt hab
ich hier doch 'ne Freileitung vor der
Nase", und dann gibt's ja aber auch
schon Investitionsentscheidungen,
die da geflossen sind.
Ähm, aber wir wollen noch mal
weitergehen Äh, wir haben jetzt
gerade eher versucht, so 'n bisschen
die Gegensätze rauszufinden,
haben 'n bisschen nachgebohrt.
Ähm, jetzt wollen wir uns doch mal
scha-anschauen, ob es nicht eigentlich
sich eher um den Perfect Fit von
Energiewende und Naturschutz handelt.
Ähm, du hast schon viel in
die Richtung argumentiert.
Ähm, ich stell dir trotzdem noch mal
die Frage: Wo siehst du echte Synergien
zwischen Energiewende und Umweltschutz?
Die wichtigste Synergie ist ja,
dass Energiewende zu Reduktion
von Treibhausgasemissionen führt,
damit zu weniger Erwärmung, zu
weniger Meeresspiegelanstieg.
Das ist der wichtigste Beitrag der
Energiewende zum Umwelt- und Artenschutz.
Ähm, und wir haben natürlich die
Aufgabe, Windkraftanlagen so zu bauen,
dass sie möglichst wenig Schaden
anrichten in der Natur, weil wir ja
die Artenvielfalt auch haben wollen.
Und ich finde, dass uns da
in der Vergangenheit wirklich
gute Kompromisse gelungen sind.
Der Seadler, die Seadlerpopulation geht
weiter hoch, trotz Windkraftanlagen,
weil das eigentliche Problem behoben
worden ist und das ist der Einsatz
bestimmter Pestizide, ist verboten worden.
Seadlerpopulation ist wieder hochgegangen.
Wir schauen, dass wir die
Windkraft, den Windkraftausbau
möglichst effizient machen.
Die Anlagenentwicklung ist
wirklich steil nach oben gegangen.
Wir brauchen immer weniger
Anlagen, um den Energieertrag
entsprechend, äh, zu erzeugen.
Es hat Innovationen gegeben.
Wir haben in Schleswig-Holstein 'n
Leitfaden dafür entwickelt, wie,
ähm, Radaranlagen an Windkraftanlagen
installiert werden können, rechtssicher
auch, die dazu führen, dass wenn
ein Vogelzug da ist, dass, äh, die
Vögel erkannt werden können und die
Windkraftanlagen frühzeitig abgeschaltet
werden können, sodass man nicht
mehr pauschal sagt, zu bestimmten
Tageszeiten oder Jahreszeiten müssen
die Anlagen abgeschaltet werden.
Das heißt, wir arbeiten sehr, sehr
intensiv daran, dass Windkraftausbau
und, ähm, äh, Artenschutz, äh,
zusammengebracht werden können.
Es ist näher zusammen,
als wir alle denken.
Also man merkt bei dir auf
jeden Fall, dass, äh, dein,
dein Herz dafür beides schlägt.
Das ist schön.
Ähm, hast du noch ein ganz konkretes,
vielleicht sogar sehr kleines, lokales,
schönes Beispiel, wo der Bau einer
Energiewendemaßnahme, egal welcher, zu,
ähm Artenschutz, Naturschutz, Umweltschutz
geführt hat Na ja, wenn 'n Vorhaben da ist
für erneuerbare Energien, dann entsteht
immer auch 'ne Ausgleichsmaßnahme.
Und Windkraftanlagen, die werden
ausgeglichen, es entstehen Ökokonten,
es werden beispielsweise Moore vernässt,
äh, damit wieder, ja und damit dann
wieder Klimaschutz, äh, vorangetrieben.
Gleiches gilt für die Photovoltaikanlagen,
wo dann darauf geachtet wird, dass es
insektenfreundlich, äh, geplant wird.
Natürlich gibt's immer
auch Gegenbeispiele.
Es gibt dann Beispiele, wo
Photovoltaikanlagen so geplant werden,
dass sie Wi-Wildwechseln im Weg stehen.
Das geht natürlich gar nicht.
Das ist aber, kann man jetzt
beklagen oder man kann sich drum
kümmern, dass sich das ändert.
Und ich gehör sozusagen
der zweiten Fraktion an.
Ich will, dass sich das ändert und
dass, äh, Erneuerbaren Ausbau und,
äh, Artenvielfalt zusammengeht und in
Schleswig-Holstein geht das gut zusammen.
Ich glaub, Samra, wir haben
das Thema gut abgerundet.
Vielen Dank, Tobias, dass du da warst.
Es hat großen Spaß gemacht.
Mir auch.
Wir haben einiges gelernt und, ähm,
wir gehen da, glaub ich, dann recht
zuversichtlich in die Zukunft.
Tja.
Vielen Dank, Tobias.
Bis zum nächsten Mal.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH