Dunkelflauten: Was passiert wenn Wind und Sonne fehlen?
SHift - der Norden macht Zukunft
26.10.2026 42 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wie können wir uns aus 100% erneuerbarer Energie versorgen wenn im deutschen Winter über mehrere Wochen konstant Sonnenlicht und Wind fehlen? Ist unsere Stromversorgung bei einer Dunkelflaute überhaupt noch sichergestellt? Über diese wichtigen Fragen sprechen Sandra und Niklas in dieser Folge mit einem bekannten Gast: dem Energieforscher Prof. Dr. Pao-Yu Oei.
Pao-Yu ist Professor für "Nachhaltige Energiewende Ökonomie" an der Europa-Universität in Flensburg. Er leitet dort auch den Studiengang "Wirtschaftsingenieurwesen: Energie- und Umweltmanagement" und die 30-köpfige Forschungsgruppe "FossilExit". Außerdem ist Pao-Yu Oei seit 15 Jahren in der Forschung tätig: Gemeinsam mit anderen Forschenden untersucht er u.a. den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen.
Sandra und Niklas fragen Pao-Yu Oei unter anderem:
Pao-Yu ist Professor für "Nachhaltige Energiewende Ökonomie" an der Europa-Universität in Flensburg. Er leitet dort auch den Studiengang "Wirtschaftsingenieurwesen: Energie- und Umweltmanagement" und die 30-köpfige Forschungsgruppe "FossilExit". Außerdem ist Pao-Yu Oei seit 15 Jahren in der Forschung tätig: Gemeinsam mit anderen Forschenden untersucht er u.a. den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen.
Sandra und Niklas fragen Pao-Yu Oei unter anderem:
- Was ist eine Dunkelflaute und wie gefährlich ist sie?
- Was passiert wenn Wind und Sonne fehlen?
- Brauchen wir fossile Ersatzkraftwerke für Dunkelflauten in Deutschland?
- Warum werden derzeit Gaskraftwerke als Ersatz geplant?
- Warum nutzen wir keinen Wasserstoff als Reserve?
- Besteht die Gefahr, dass wir in Zukunft öfter ohne Strom dastehen?
Viel Spaß bei unserem Klönschnack mit Tiefgang!
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Mehr Infos über unseren Gast Prof. Dr. Pao-Yu Oei findet ihr
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Transkript
Natürlich würde ich mir wünschen,
dass die Menschen immer gebildeter
sind und dementsprechend dann
nicht verunsichert werden.
Wir sehen in den letzten Jahren
leider 'n negativen Trend.
Also wir haben immer mehr Leute,
die an der Klimakrise zweifeln,
dass die menschengemacht ist.
Einfach durch Fake News
und so weiter und so fort.
Und dementsprechend würde ich hoffen,
dass das dann kein Thema ist, weil
Leute wissen, natürlich gibt es diese
Zeiten, wo kein Wind und Sonne ist.
Das ist aber kein Problem.
Dafür haben wir technische Lösungen,
da passen wir uns entsprechend an.
Das wäre mein Wunschszenario.
Die Realität wird, glaub ich, sein,
dass es immer Leute geben wird, die
sich auf andere Sachen fokussieren,
die sich deswegen damit noch nie
beschäftigt haben und für die das
dann, wenn sie das das erste Mal
hören, erst mal 'n großes Problem ist.
Und dann ist es halt an uns,
an solchen Podcast-Formaten,
das dann irgendwie aufzuklären
Klönschnack mit Tiefgang.
Das ist Shift – Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende-Podcast der EKSH
Pao-Yu, wolltest du eigentlich schon
immer Energiewendeforscher werden?
Ähm, ich glaub, ich wollte, ein Teil von
mir wollte auf alle Fälle immer schon
Forscher werden oder irgendwas machen.
Es war definitiv nicht von
vorne rein auf Energie bezogen.
Meine Mutter ist Biochemikerin,
das heißt, es war früher mehr so
mit so Reagenzgläsern und Forscher,
Forscherin hab ich mir eher so
vorgestellt mit einem weißen Kittel
und irgendwie im Labor stehen.
Das war für mich mehr so, glaube ich,
eine Vorstellung in der Kindheit.
Mir hat das auf alle Fälle Spaß gemacht.
Also das war ja faszinierend,
Flüssigkeiten in Flüssigkeiten zu kippen
und die haben die Farbe gewechselt und
was das dann bedeutet und so weiter,
war dann nicht so wichtig, aber es hat
natürlich, man hat irgendwie 'n Output
gesehen und das hat irgendwie Spaß
gemacht und, ähm, das konnte ich mir
damals, glaube ich, vorstellen, ja.
Sandra, wolltest du schon
immer Podcasterin werden?
Nee, wollte ich nicht, aber
macht sehr viel Spaß, es zu sein.
Sehr gut.
Herzlich willkommen zu
einer neuen Folge Shift.
Herzlich willkommen, Pao-Yu.
Schön, dass du da bist.
Schön, dass ich wieder da sein darf.
Genau, du bist nicht zum ersten Mal hier.
Wir dürfen jetzt schon mit dir
die dritte Folge aufnehmen.
Du bist quasi schon
Stammgast, äh, bei Shift.
Trotzdem, ähm, werd ich
dich kurz vorstellen.
Pao-Yu Oei, du bist Professor für
nachhaltige Energiewendeökonomie an
der Europauniversität in Flensburg.
Du leitest die Forschungsgruppe
Fossil Exit sowie das internationale
Just Transition Zentrum Trajex.
Du hast im Bereich der Energiewenden
ein recht breites Forschungsfeld,
also an sich den kompletten Umstieg
aus dem fossilen System zu einem
hundertprozentig erneuerbaren System.
Hast du aber in diesem großen Feld
ein Forschungsgebiet, was du dich oder
wofür du dich besonders interessierst?
Ich glaub, bei mir war es nicht so 'n
Forschungsgebiet, sondern so 'n Sektor.
Also ich hab halt einfach sehr früh zum
Thema Kohleausstieg sehr viel gemacht,
wo ich beim letzten Mal, glaube ich,
auch schon viel gesprochen hatte.
Und dementsprechend war es einfach
so, wie schafft man Kohleausstieg?
Und dementsprechend hat man dann aber
gemerkt, man kann nicht nur einen
Sektor angucken, sondern das geht
dann halt in die Erneuerbaren rein.
Wir müssen uns mit Gas
beschäftigen, wir müssen uns mit
politischen Fragestellungen, mit
technischen, mit ökonomischen.
Und daher kam das dann, glaube ich, dass
ich in so viele Projekte eingebunden
war und so ein großes Team habe,
wo jeder im Team dann eine gewisse
Expertise hat und ich mit allen so 'n
bisschen rede und deswegen so, ich bin
Wirtschaftsingenieur vom Hause aus.
Das heißt, wir sagen auch selber,
wir verstehen von allem so 'n
bisschen oder von allem gar nichts.
Also so interdisziplinär
ausgebildet und interdisziplinär
interessiert, würde ich auch sagen.
Ja, du hast es angesprochen, die Folge
über den Kohleausstieg und wie man
da wegkommt und hin zu Erneuerbaren.
Das war 'ne richtig
spannende Folge mit dir.
Die haben wir letztes Jahr aufgenommen.
Die verlinken wir euch natürlich, damit
ihr euch die auch noch mal anhören könnt.
Wir freuen uns, dass ihr wieder mit
dabei seid, bei Shift eingeschaltet habt
und wollen ins Thema starten mit dir.
Ähm, wir haben uns das schöne
Thema Dunkelflauten ausgesucht.
Was das ist, das wollen wir auch gleich
zu Beginn mal klären, ähm, denn wir
fragen uns: Was passiert eigentlich, wenn
Wind und Sonne mal nicht vorhanden sind?
Und deswegen ist eigentlich die erste
Frage: Was ist die Dunkelflaute und
wie gefährlich ist sie überhaupt?
Genau, ich glaub, man muss 'n
bisschen sagen, Leute, die sich schon
länger mit Erneuerbaren beschäftigt
haben, die kennen diesen Begriff
Dunkelflaute schon sehr lange.
Nichtsdestotrotz kommt der immer wieder
entgegen und es wird immer gesagt, so
wie so das Damoklesschwert, das ist
doch, das hat schon jemand Damals daran
gedacht, dass es vielleicht Zeiten gibt,
wo keine Sonne scheint und wo auch kein
Wind weht, also wo es dunkel ist und
wo ich eine Flaute im Windbereich habe.
Und das war dann so die Erkenntnis von
manchen Leuten, die sagen: „Das habt
ihr Ingenieure doch alle vergessen,
deswegen geht das mit Erneuerbaren
doch gar nicht, weil wir haben doch
hin und wieder nachts keinen Wind und
wie soll das denn dann funktionieren?"
Und das ist natürlich so 'n Punkt,
da haben natürlich alle schon drüber
nachgedacht und das ist allen bekannt,
weil das jetzt auch nicht überraschend
ist, dass wir nachts keine Sonne haben.
Ist auch nicht überraschend,
dass nicht immer der Wind weht.
Ähm, später kam dann noch die Steigerung
dazu, eine kalte Dunkelflaute.
Das heißt, es ist zusätzlich noch im
Winter, meistens im Januar, Februar,
wo wir wirklich ein paar Wochen haben,
wo tendenziell manchmal es sehr kalt
ist, wo es tendenziell weniger Sonne
da ist und es manchmal aber auch
Wochen gibt, wo nicht so viel Wind ist.
Und dementsprechend ist dann die
Frage: Wie kann ich unser Energiesystem
versorgen, wenn der größten und
wichtigsten erneuerbaren Energien, PV,
Photovoltaik und Windenergie, vielleicht
aktuell keinen Strom produzieren können?
Also wie kann ich das
irgendwie alternativ versorgen?
Und brauche ich für diese Phasen dann
nicht ganz viele fossile Energien,
Kohle, Gas oder Ölkraftwerke oder so?
Das ist immer diese Thematik,
die da aufgegriffen wird.
Mhm.
Jetzt hast du schon, ähm, einmal
v-von der Situation geredet, dass es
halt nachts natürlich nie die Sonne
scheint und dass da, ähm, dann auch
mal, ähm, Windstille herrschen kann.
Du hast aber auch gesagt, es kann auch mal
Wochen geben, wo beides wenig vorkommt.
Hat denn eine Dunkelflaute
eine Zeitspanne?
Also wann beginnt sie?
Ich denke mal, ein, ein, ein Maximum hat
eine Dunkelflaute wahrscheinlich nicht,
aber gibt's ein, ein Minimum, wo man sagt,
ab jetzt redet man von 'ner Dunkelflaute?
Mhm.
Meines Wissens nach gibt es jetzt keine
ganz feststehende Definition für diesen
Terminus, weil der Terminus auch eher
einer ist, der im umgangssprachlichen
Bereich so 'n bisschen verwendet wird.
Ähm, es ist so, dass man natürlich
gucken muss immer, ähm, wie viel
Strom kann ich speichern für diese
Phasen, wo dann eben kein erneuerbarer
Strom produziert werden kann.
Und deswegen ist es eben so, dass in
dem Moment, wo ich eine Dunkelflaute für
'ne halbe Stunde hätte oder für zwei,
drei Stunden, ist das 'ne Dunkelflaute,
aber die ist so vernachlässigbar, dass
sich keiner wirklich Sorgen macht,
dass das 'ne Problematik verursacht.
Ähm, das, wo wir in der Forschung
dann sagen, das sind wirklich längere
Phasen, wo wir gezielt gucken müssen,
wie können wir diese Sachen überbrücken.
Das sind dann in der Regel Phasen
von ein, zwei, maximal drei
Wochen, vielleicht im Winter.
Das ist meistens eben in dieser Phase
Januar, Februar, weil das einfach
diese Phasen sind, wo ich einfach
wirklich sehr wenig Sonnenenergie
zumindest in Deutschland habe.
Es gilt ja auch für
andere Regionen anders.
Ähm, aber in Deutschland ist im Januar,
Februar so diese Phase, wo es sehr kalt
ist, ich definitiv sehr wenig Sonne
habe und dann ist einfach die Frage:
Ist es da sehr windig oder nicht?
Und es gibt auch Jahre, wo das gar kein
Problem ist, wo sehr viel Wind da ist.
Es gibt aber hin und wieder
auch mal ein paar Wochen, wo
das eben problematisch ist.
Insbesondere, sage ich mal, in dem
Moment, wo wir in die zwei Wochen
reingehen, würde ich sagen, muss man
so ein bisschen gucken und das hängt
dann einfach immer davon ab, wie viele
fossile Energien ich noch im System habe.
Aktuell ist das weiterhin noch gar
kein Problem, aber wir wollen ja in ein
System mit 100 % Erneuerbaren und da
muss man dann auch einfach ehrlich sein,
dass man sagen muss, in dem System, wo
ich 100 % Erneuerbare habe, wo ich gar
keine fossilen Kraftwerke mehr habe,
keine Gaskraftwerke, dann sind diese
zwei Wochen im Januar, Februar eine
Herausforderung, für die ich Lösungen
brauche, die es auch gibt, über die wir
später hier sprechen wahrscheinlich.
Ähm, aber das ist dann der Punkt.
In Schleswig-Holstein haben wir ja
den Luxus, dass wir schon recht weit
sind mit der Energiewende und rein
rechnerisch uns ja sogar schon mit
mehr als 100 % selbst versorgen können.
Sind wir denn den Dunkelflauten
damit entwichen oder haben wir
trotzdem noch das Problem von
Dunkelflauten auch hier bei uns?
Ich glaub, die Komplexität am
Stromsystem ist ja, dass wir
alles miteinander verbunden haben.
Ich glaub, in der letzten Folge oder
vorletzten Folge ging's ja auch um
Netze und dementsprechend ist es ja
auch einfach wichtig zu verstehen,
Schleswig-Holstein ist keine Insel.
Ähm, es gibt andere Regionen,
beispielsweise Großbritannien oder so.
Da kann Großbritannien für sich
versuchen, sein Energiesystem zu
optimieren und ist jetzt nur bedingt
an den Rest von Europa angeschlossen.
Schleswig-Holstein ist ganz eng an den
Rest von Deutschland angeschlossen.
Deutschland ist ganz eng an
Frankreich, an Polen, Österreich
und so weiter angeschlossen.
Wir in Schleswig-Holstein sind
ganz eng an Dänemark angeschlossen.
Das heißt, es kann gar nicht, es ist
gar nicht das Ziel, dass wir alleine
das irgendwie hinkriegen, sondern
es ist immer das Ziel, dass wir das
gemeinsam schaffen und gemeinsam ist
es immer einfacher als alleine, das
muss man einfach ganz klar sagen.
Wir in Schleswig-Holstein, wir produzieren
über das Jahr hinweg mehr erneuerbaren
Strom, als wir insgesamt Strom brauchen.
Das stimmt.
Es gibt aber Stunden im Jahr, wo auch
mal in Schleswig-Holstein gerade kein
Wind weht und keine Sonne scheint und
wir einfach sehr wenig fossile Kraftwerke
haben und in diesen Stunden beziehen
wir Strom aus unseren Nachbarregionen.
Dann beziehen wir teilweise Strom
vielleicht aus Dänemark, weil Dänemark
gerade vielleicht weht da mehr Wind oder
es ist Wasserkraft aus Skandinavien, die
einfach dann produziert wird, oder aber
vielleicht aus anderen Kraftwerken im
Süden von Deutschland, die dann irgendwie
vielleicht 'n bisschen mehr Sonne hatten
als wir gerade in dem Moment und dann
mehr erneuerbaren Strom produzieren.
Und dementsprechend gibt es Stunden,
wo wir Strom in Schleswig-Holstein
importieren, der manchmal fossil,
manchmal erneuerbar ist und das
ist überhaupt nicht schlimm.
Wir importieren ja auch
ganz viele andere Sachen.
Unsere Klamotten sind importiert.
Das Öl und Gas, das wir aktuell
verbrennen, ist alles importiert.
Das kommt nicht aus Deutschland.
Das heißt, diese Idee, dass wir komplett
autark alles machen wollen, ist so 'ne
Fantasie, die aber gar nicht unbedingt
sinnvoll ist und auch nicht notwendig.
Also ist die beste Medizin gegen
Dunkelflauten im Grunde 'ne Vernetzung,
äh, internationaler Stromsysteme?
Ja, auf alle Fälle.
Also das ist eine der wichtigsten Sachen.
Das ist nicht, dass das alleine
ausreicht, sondern ich brauche noch
Speichersysteme und so weiter und so fort.
Aber die Vernetzung ist was,
was auf alle Fälle hilft.
Und natürlich ist es dann aber
auch so, dass dann alle ihre
Hausaufgaben machen müssen.
Also wenn nur ein Land alle
Speichersysteme und alle Erneuerbaren
ausbaut, sich aber vernetzt mit dem
Rest von Europa und die machen alle
nichts, dann ist es auch herausfordernd.
Idealerweise alle machen alles, aber
in dem Moment, wo wir das kooperativ
machen, wird es für alle leichter.
Mhm.
Ähm, es gibt einen Kollegen von dir,
Markus Löffler vom Westfälischen
Energieinstitut und der hat vor Kurzem
davor gewarnt, dass wir ein riesiges
Leistungsdefizit haben könnten und, äh,
fordert sogar, dass wir eher weniger
als mehr Erneuerbare ausbauen sollten.
Jetzt hat man das Gefühl, dass du
gar keine Angst hast vor diesem
Ausbau der 100 % Erneuerbaren.
Das heißt, was hältst
du von solchen Aussagen?
Ich glaub, dass diese Diskussionen
überhaupt nicht hilfreich sind.
Ich glaub, das, was man ja gucken
muss: Was will ich denn dann machen?
Also, ähm, das, was hilfreich
ist zu sagen, ist, wir brauchen
noch mehr Stromspeicher, wir
brauchen noch mehr Stromnetze.
Jetzt zu sagen, ich drossel die
Erneuerbaren Ist nicht sinnvoll.
Ähm, in dem Moment, wo wir beispielsweise
mit den Netzbetreibern sprechen, die
teilweise die größte Herausforderung
für diese Sachen haben werden, dann
ist es so, dass es beispielsweise den
Netzbetreiber gibt, 50 Hertz, der ist
vereinfacht gesagt für Ostdeutschland
inklusive Hamburg verantwortlich.
Historisch ist das so.
Ähm, und die haben sehr viel
Erneuerbare in ihrem System, weil die
unter anderem Mecklenburg-Vorpommern
und Brandenburg Regionen haben,
wo sehr viel Windenergie ist.
Das heißt, die hatten schon immer
tendenziell mehr Windenergie
in ihrem Stromnetz als jetzt
andere Regionen Deutschlands.
Und das war einer der Netzbetreiber,
die relativ früh immer gesagt haben:
„Also alles bis zu 90 % erneuerbare
Energien im System, das kriegen wir
problemlos gefahren.“ Wie gesagt, diese
letzten Prozent, insbesondere dann
so 95 bis 100 % erneuerbare Energien,
das ist das, wo es kompliziert wird.
Da sage ich nicht, dass das nicht geht,
aber das würden wir mit der aktuellen
Infrastruktur definitiv nicht hinkriegen.
Das heißt, da brauchen wir Investitionen
in Netze, Speicher, Demand Side
Management und, und, und, und, und.
Ähm, aber den Ausbau des Erneuerbaren,
so wie sie jetzt sind, den müssen wir
definitiv weiter fortführen, weil das
ist ja nicht entweder oder, sondern
wir brauchen Erneuerbare, wir brauchen
Netze, wir brauchen Speicher und wir
machen das ja nicht aus Spaß, sondern
wir machen das, weil die Kosten der
Klimakrise so groß sind, dass ein
Nichthandeln einfach noch mehr Schäden
für unsere Gesellschaft bedeutet.
Und dementsprechend ist das, glaube
ich, wichtig und wir müssen uns darüber
diskutieren, ob man Gaskraftwerke
zusätzlich braucht und wenn ja, wie viele.
Und da gehen die Meinungen
auch auseinander.
Ähm, aber jetzt zu sagen, deswegen
keine Erneuerbaren ausbauen, ist aus
meiner Sicht überhaupt nicht hilfreich.
Ähm, die Erneuerbaren werden ausgebaut,
weil es wirtschaftlich die günstigste
Erneuerbaren Technologie ist.
Die sind jetzt auch nicht groß
subventioniert, denen, die jetzt
ans Netz gehen wollen würden.
Insofern ist es wichtig, dass jetzt die
Ministerien nicht diesen Ausbau bremsen.
In der Vergangenheit haben die
Ministerien eher gefördert.
Das aktuelle Ministerium fördert nicht
mehr, es bremst noch mehr und das ist
gerade ein aktuelles riesiges Problem.
Das Wirtschaftsministerium meinst
du, das Bundeswirtschaftsministerium?
Genau, ich meine insbesondere
das Wirtschaftsministerium für
Wirtschaft und Energie, das BMWE.
Ähm, ich weiß nicht, ob alle die
Schlagzeilen mitbekommen haben.
Ich weiß nicht, wann der Podcast
ausgestrahlt wird, aber, ähm, gestern
kamen die Schlagzeile, dass quasi
das zuständige Referat im BMWE auf
Bundesebene, was für Erneuerbare
zuständig ist, aufgelöst wurde.
Ähm, die Abteilungsleiter für die
entscheidenden wichtigen Referate
sind seit Monaten eigentlich beurlaubt
oder an andere Referate abgeschoben
worden, sodass eh kaum gearbeitet
werden kann zu diesen Themen.
Aber in dem Moment, wo ich quasi, ähm,
jetzt auch noch das entsprechende Referat,
das zuständig ist, ganz viele Sachen zu
bearbeiten, das einfach auflöse, ähm, ist
das natürlich, ähm, freundlich gesagt,
nicht hilfreich für die Energiewende.
Ersatzlos aufgelöst?
Es war jetzt erst mal nur
die interne Schlagzeile, dass
es, dass es aufgelöst wird.
Formal werden die Aufgaben dann natürlich
von anderen Referaten mitgetragen.
Es ist auch erst mal, glaube ich,
insbesondere ein politisches Signal.
Hat natürlich weniger Fokus dann,
wenn es nicht mehr eine Arbeitsgruppe
gibt, die dafür zuständig ist.
Genau.
Und in dem Moment, wir haben einen
Haufen an Gesetzen, die eigentlich
gerade überarbeitet werden müssen,
die dann von Bearbeiter:innen nicht
mehr bearbeitet werden können, weil
die jetzt vielleicht versetzt werden,
woanders sind und dann kriegt irgendwer
anders das auf den Tisch, muss das
Ganze aber noch mal von vorne machen.
Ähm Andere Leute sind dann vielleicht
überarbeitet, andere v– ich kenne
Leute, die das Ministerium verlassen
haben, weil sie unter einer bestimmten
Hausleitung das Ganze nicht mehr
durchführen können und wollen.
Ähm, dementsprechend sehen wir auch 'n
Fachkräftemangel, 'n Expertisemangel
innerhalb des Ministeriums dann auf uns
zukommen, das dann Herausforderungen
mit sich bringt, aber dementsprechend
ist das grade nicht grad sehr
hilfreich, aber in Schleswig-Holstein
ist es noch 'n bisschen besser.
Also selbst auch unser Ministerpräsident
hat ja auch vor Kurzem noch mal proaktiv
an Frau Reiche gewandt, die ja immerhin
aus seiner eigenen Partei ist, um zu
sagen, dass es uns in Schleswig-Holstein
überhaupt nicht hilft und dementsprechend
ist das, glaub ich, ein, ja ein,
ein nicht positiver Trend, aber umso
wichtiger, dass wir hier darüber sprechen.
Nun wird ja auch unter anderem aus
der Politik herausgesagt, dass wir,
um solche Dunkelflauten überstehen zu
können, Reservekraftwerke brauchen.
Was sind das für Reservekraftwerke?
Also was kann das sein?
Ähm, ich glaub erst mal, ich
will versuchen zu erklären, warum
wir so was überhaupt brauchen.
Es gibt eben, wie gesagt, diese
Dunkelflauten für einige Wochen, wo dann
klar ist: Wie können wir das überbrücken?
Und dementsprechend brauchen wir
Kapazitäten, die Strom für einen längeren
Zeitraum zur Verfügung stellen können.
Diese Kraftwerke könnten
verschiedenen Ursprungs sein.
Es könnte ein Biomassekraftwerk
sein, das erneuerbar ist.
Es könnte ein Wasserkraftwerk
sein, was auch erneuerbar ist.
Es könnte in 'nem gewissen Umfang
'n Batteriespeicher sein, der
einfach erneuerbaren Strom vorher
aufgenommen hat und ihn dann abgibt.
Der Ha-- Die Herausforderung bei
'nem Batteriespeicher ist, dass der
oft nach 'ner Woche dann leer wäre
und dann nicht … Müsste halt sehr
groß sein, über zwei Wochen zu gehen.
Ähm, oder aber es könnte ein
fossiles Kraftwerk sein, das mit Gas
beispielsweise befeuert werden könnte
oder auch Kohle ginge theoretisch auch.
Insofern ist quasi einfach da
die Frage: Welche Kraftwerke sind
denn sogenannte Reservekraftwerke,
die dann einspringen könnten?
Und die Idee eines sogenannten
Kapazitätsmarktes wäre, dass ich
diese Kraftwerke nicht bezahle für
den Strom, die sie produzieren,
weil das ist zwei Wochen im Jahr
und das ist dann nicht wirklich viel
Gewinn, was die machen und deswegen
lohnt sich dieses Kraftwerk nicht.
Und deswegen ist die Idee, ich bezahle ein
Kraftwerk auf Basis der Gesamtkapazität,
die sie zur Verfügung stellen.
Das ist so 'n bisschen, wie kann man
sich das vorstellen, wenn man jetzt sagt,
man hat, wir würden Auto fahren mit 'm
Benziner noch und hat sich irgendwie
so 'n Reservetank hinten noch mit drin.
Dann ist dieser Reservetank, der kostet
'n gewissen Preis und der Preis misst sich
daran, wie viel da irgendwie drin ist.
'n großer Ersatzkanister kostet
halt mehr als 'n kleiner.
Dafür rettet der mich dann für
die nächsten drei Kilometer oder
für die nächsten zehn Kilometer.
Das heißt, ich will da irgendwie den gut
dimensionieren, dass er nicht zu groß ist,
weil ich schlepp den die ganze Zeit mit.
Ähm, er muss die sinnvolle Größe
haben, aber gleichzeitig ist es auch
so, dass ich diesen Benzinkanister
halt vorher bezahlen muss.
Es kann nicht sein, dass ich den
erst mal umsonst kriege und die ganze
Zeit mit mir rumfahre und nur wenn
ich ihn dann benutze, dann zahle ich
halt zwei Euro pro Liter, den ich
da reinfülle, weil dann rechnet sich
das ganze Geschäftsmodell nicht.
Das heißt, diesen Reservekanister,
für Bundesdeutschland gesprochen, sind
das dann halt 'n paar Kraftwerke, die
müssen zugebaut werden und werden nur
in ganz Notfällen dann verwendet und
dementsprechend muss das bezahlt werden.
Und ich glaub, ein kurzer
Zusatz dazu, ähm Wir müssen uns
einfach dessen bewusst werden.
Wir sprechen da jetzt insbesondere
auch über neue Gaskraftwerke,
fossile Gaskraftwerke.
Und das Besondere ist: Niemand
verbietet irgendeinem Betreiber
aktuell ein Gaskraftwerk zu bauen.
Jeder kann so viele Gaskraftwerke
bauen, wie er oder sie will.
Auch den anderen Kollegen, den Sie
vorhin zitierten, der, der kann
ja auch Gaskraftwerke zu-- Also
der Markt könnte zu Gaskraftwerke
zubauen, die sind aber zu teuer.
Deswegen macht das keiner.
Deswegen ruft die Gaslobby jetzt:
„Wir brauchen Subventionen.“ Und
jetzt gibt es Subventionen für fossile
Gaskraftwerke, damit die gebaut
werden, weil die sonst nicht vom Markt
her getrieben gebaut werden würden.
Erneuerbare würden aktuell
vom Markt gebaut werden.
Deswegen versucht das Ministerium,
das jetzt zu unterbinden, indem
zusätzliche Herausforderungen in
den Markt gedrängt werden, sodass
die Erneuerbaren verlangsamt werden.
Das heißt, wir kommen aus einer Zeit,
wo wir Erneuerbare subventioniert haben.
Jetzt sind wir in einer Zeit, wo
wir Fossile subventionieren, damit
sie im System bleiben, was total
skurril ist, weil sie das Klima
gefährden und wir Erneuerbare bremsen.
Und das ist gerade so die, die
Absurdität, in der wir leben.
Okay.
Ähm, zu diesen Reservekraftwerken wurde
jetzt jüngst im Sommer, im Juli vom
Bundestag ein neues Gesetz beschlossen,
was unterm Aussagt, dass ein Drittel
der neuen Reservekraftwerke im Norden
entstehen soll und zwei Drittel im Süden.
Ist das aus deiner Sicht 'ne
sinnvolle Aufteilung oder
warum wurde das so aufgeteilt?
Also die einfache Antwort
ist Partikularinteressen.
Also wir tun immer so, als wenn
wir in 'nem freien Markt leben
würden, wo irgendwie alles optimiert
wird, je nachdem, was irgendwie
am sinnvollsten ist oder so.
Ähm, und in der Realität ist es einfach
so: Wir haben gewisse Akteure am Markt.
Diese Akteure sind Firmen oder
Bundesländer oder Parteien, die ein
Interesse haben, dass gewisse Kraftwerke
an gewissen Standorten entstehen.
Ähm, ganz konkret genannt: Es gibt
die Kohlekonzerne in Ostdeutschland
insbesondere, die insbesondere in Sachsen
und Brandenburg ansässig sind, die im
Rahmen des Kohleausstiegs sich erklärt
haben, bestimmte Kohleausstiegsfahrpläne
einzugehen, dann aber auch ganz klar
signalisiert haben: „Dann wollen wir
aber zumindest irgendwie so ein paar
Erdgaskraftwerke kriegen, damit wir
dann damit Gewinne machen können.“
Das ist denen in Aussicht gestellt worden.
Dementsprechend sind die
Ministerpräsidenten aus den ostdeutschen
Bundesländern sehr stark darauf
eingegangen, dass in irgendeiner Form die
Ostländer nicht vergessen werden dürfen.
Wir haben die gleiche Diskussion in
Nordrhein-Westfalen, wo RWE ganz klar
gesagt hat: „Wir wollen drei Gigawatt.
Drei Gigawatt Gaskraftwerke
wollen wir bauen.
Macht das irgendwie, dass das
klappt.“ Dementsprechend diskutieren
wir über Kraftwerke im Westen.
Ähm, wir haben die süddeutschen
Bundesländer, die eh sagen: „Wir haben
die Industrie in Süddeutschland, deswegen
brauchen wir die Reservekraftwerke bei
uns.“ Das Absurde ist, wir sprechen
davon Reservekraftwerke, die wir
bräuchten, wenn nicht genug Strom da ist.
Wenn nicht genug Strom da ist, ist
vereinfacht gesagt das Netz leer.
Wir haben einfach, wir sprechen
über Stunden, wo kein Windstrom
da ist und dementsprechend auch
keine Netzengpässe da sind.
Das heißt, in einer gewissen
Netzsituation ist es jetzt gar nicht
so wichtig, wo die wirklich stehen.
Natürlich ist es praktischer, wenn die
bei den Verbrauchszentren im Süden sind,
aber wenn die jetzt alle im Norden wären,
na ja, das ist ja normalerweise kommt
der Windstrom von Norden nach Süden.
Wenn dann der Wind nicht weht und
wir dann die Kraftwerke im Norden
von Deutschland haben und den
Strom nach Süden bringen, würde das
elektrotechnisch genauso funktionieren.
Insofern ist es nicht zwingend
notwendig, dass sie wirklich bei den
Bedarfszentren sind, weil das Netz in
dem Moment jetzt nicht ausgelastet ist.
Es vereinfacht ein paar Sachen.
Es ist aus einer gewissen Logik
her irgendwie auch sinnvoller,
die ein bisschen näher dahin zu
platzieren, um jetzt nicht einen
zusätzlichen Ausbaubedarf zu brauchen.
Aber es ist primär nicht so wichtig.
Es ist in dem Moment eher
Partikularinteressen, weil man ganz genau
weiß, wenn man in bestimmte Regionen
geht, dass es bestimmte Firmen sind,
die einen Zuschlag kriegen könnten.
Ähm, man ist dann noch weitergegangen
und ist ganz stark in die Formulierung
reingegangen, weil wir gesehen
haben, in anderen Ländern, wie
beispielsweise Australien, wurde
über Kapazitätsmärkte diskutiert.
Es wurden dann Kapazitätsmärkte
eingeführt Die Hoffnung der fossilen
Lobby war, dass ein Gaskraftwerk gekommen.
Es war aber ein offenes Bieterverfahren
und Batteriestandorte haben einfach
sehr viel günstiger die gleichen
Kapazitäten angeboten, haben
gesagt: „Das sind die Anforderungen.
Ich muss so und so viel Strom
für so einen Zeitraum zur
Verfügung stellen, kriege ich hin.
Kriege ich zu dem Preis hin, der
war günstiger als Gaskraftwerke,
also wurden hauptsächlich Batterien
zugebaut, die einfach günstiger sind.
Dementsprechend hat man jetzt hier
versucht, bei den Regularien ganz stark
das Ganze noch mal auszuweiten, zu sagen,
ich muss sehr lange das Ganze vorhalten
können, um die Regularien so anzupassen,
dass Batterien sehr viel schwerer
anbieten können und dementsprechend
sicherzustellen, dass im Endeffekt
hauptsächlich fossile Gaskraftwerke den
Zuschlag kriegen können werden, ähm,
und insbesondere die Dimensionen, die
da diskutiert werden, sind halt weit
über dem, was wir eigentlich brauchen.
Das heißt, wir machen gerade eine
überdimensionierte Gasreserve.
Das ist aus einer Klimaperspektive
gar nicht das Allerschlimmste, weil
die gar nicht so oft laufen wird.
Es ist aber trotzdem ad absurdum,
weil wir halt Fahrtabhängigkeiten
schaffen, weil auch Gasleitungen
gebaut werden müssen und weil wir ein
gewisses Signal eben auch senden und
weil wir einfach zusätzliche Gelder
unnötigerweise fossilen Konzernen geben.
Wir hätten sie auch in kleinerem
Umfang Batteriefirmen geben können,
ähm, die dann Batterien gebaut hätten.
Wäre es denn dann eigentlich sinnvoller
gewesen, dadurch, dass jetzt neue
Kraftwerke, neue, in der Regel neue
Gaskraftwerke gebaut werden müssen, dass
man eher vielleicht die Kohlekraftwerke,
die wir noch am Netz haben, die 2038
auslaufen, dass man die für solche
Dunkelflauten einsetzt oder s-,
kommen die dafür gar nicht in Frage?
Ähm, ist eine gute Frage.
Ist eine Frage, die ich auch schon
öfter mit Leuten diskutiert habe.
Ähm, es gibt keine ganz klare Antwort.
Aus einer, die erste technische Antwort
wäre, es wäre möglich, stattdessen
die Kohlekraftwerke zu nehmen und
es wäre ein geringerer sogenannter
Lock-in-Effekt, weil die Kohlekraftwerke
teilweise eh stehen und manche von
denen sind auch nicht so alt, dass
sie sofort auseinanderfallen würden.
Das heißt, insbesondere so zwei Gigawatt
oder so in Nordrhein-Westfalen, die
Bo, sogenannten BOA-Anlagen, ähm,
sind modern genug, dass die danach
noch weiter gefahren werden könnten.
Die sind von, die sind, man sagt immer
vereinfacht, dass Kohlekraftwerke nicht
so flexibel sind wie Gaskraftwerke.
Ehrlicherweise reden wir hier von
den kalten Dunkelflauten, wo ich
zwei Monate vorher schon weiß,
genau die zwei Wochen werden hart.
Das heißt, das wär nicht so schwierig,
die bis dahin hochfahren zu können.
Wir haben in den letzten Jahren
auch gesehen, dass Kohlekraftwerke,
wenn sie wollen, auch relativ
flexibel agieren können.
Es ist halt ein höherer Verschleiß
des Systems, weil sie dann
schneller die Temperaturen
hoch- und runterfahren müssen.
Das ist nicht so gut für die
Spannungen im System, aber es geht.
Ähm, dementsprechend wäre das
technisch grundsätzlich schon möglich.
Eine Herausforderung dabei ist, dass wir
unterscheiden ein bisschen z-zwischen
Braun- und Steinkohlekraftwerken.
Bei Steinkohlekraftwerken wäre
das leichter noch möglich.
Die Steinkohlekraftwerke sind jetzt
aber bald eh alle abgeschaltet und
sind auch eh schon noch mal älter.
Die Braunkohlekraftwerke, die dann
eher diskutiert werden würden,
haben die Herausforderung, dass
wir einen Tagebau dahinter haben.
Das heißt, wir haben einen Tagebau, wo
wir die Kohle in Deutschland abbauen
und dann gewissermaßen zwischenlagern
müssten, um sie dann im Kohlekraftwerk
vielleicht im Januar, Februar
mal so 'n bisschen zu verbrennen.
Und das ist einfach diese
Herausforderung dabei.
Ich kann Kohle nicht über Jahre
einfach auf einem Haufen liegen lassen.
Die kann sich irgendwann selber entzünden.
Das heißt, ich muss die regelmäßig
umschichten und so weiter und so fort.
Das heißt, das ist 'n relativ hoher
Kostenfaktor, 'n gesamten Tagebau mit
allen Leuten vorzuhalten, nur um einmal
im Jahr vielleicht 'n Kraftwerk zu
benutzen, vielleicht aber auch nicht.
Ähm, Braunkohle wird nicht gehandelt
auf 'm Weltmarkt oder so was,
weil das einfach überspitzt gesagt
'n bisschen besseres Holz ist.
Das heißt, es ist einfach sehr schwer,
hat keinen hohen Heizwert, ist nicht
qualitativ hochwertig und deswegen
ist das halt dieser Sonderfall.
Bei Steinkohle wäre das etwas anders.
Steinkohle wird quasi nicht
mehr in Deutschland abgebaut,
weil das zu teuer war.
Es kommt aus Kolumbien, wird quasi
über 'n Weltmarkt transportiert.
Da wäre es leichter, das so 'n bisschen
vorzuhalten, weil's da 'n Markt gibt.
Ähm, das heißt im kleineren Umfang
für Kohlekraftwerke wäre es denkbar,
aber insbesondere die Herausforderung
mit den Tagebauen wäre zu beachten.
Ähm, und wir müssen aber auf 'm Schirm
haben, was das Signal nach außen ist.
In dem Moment, wo wir das
Kohleausstiegsjahr, was jetzt verhandelt
wurde für 2038 für Gesamtdeutschland,
2030 für Westdeutschland, NRW konkret.
In dem Moment, wo wir diese Jahreszahlen
anfassen, wird das international gesehen.
Jedes Mal, als wir das gemacht
haben im Ukraine-Krieg, da wurden
Kohlekraftwerke länger laufen
gelassen als ursprünglich abgemacht.
Das gab internationale Schlagzeilen.
Ich war damals in Südafrika.
Alle Leute in Südafrika haben das gesehen.
Alle haben mich gefragt: „Warum macht
ihr das?" Und haben, nachdem sie
verstanden haben, okay, Deutschland
hält sein Kohleausstiegsjahr nicht ein,
auch gesagt: „Na, dann halten wir unsere
Verpflichtung aber auch nicht ein.
Wenn Deutschland das nicht hinkriegt,
weil das technisch zu schwierig oder
zu teuer ist, wie sollen wir das
denn dann schaffen?“ Und deswegen ist
diese Signalwirkung, hat 'n extrem
hohen Kollateralschaden und deswegen
wäre meine persönliche Empfehlung,
die Kohlekraftwerke nicht länger zu
lassen aufgrund des Kollateralschadens.
Nicht, weil es nicht irgendwie technisch
oder wirtschaftlich machbar wäre.
Okay.
Ich mein, wie du schon selbst sagst,
du politisch ist eher, äh, angedacht,
neue Gaskraftwerke zu bauen.
Die sollen ja Wasserstoff ready
sein, damit sie 2045 spätestens mit
Wasserstoff dann klimaneutral laufen.
Ist das 'n realistisches Szenario, dass
man irgendwann, wenn der Wasserstoff da
ist, dass die dann umgestellt werden?
Ähm, ich glaub, es hat so ganz
viele verschiedene Dimensionen.
Also die erste Frage ist: Ist das
überhaupt sinnvoll, da irgendwie
Wasserstoff durchzujagen?
Ähm, Wasserstoff ist unglaublich teuer.
Kommen wir später in der nächsten Folge
wahrscheinlich noch drauf zu sprechen.
Insofern verbrenne ich da
irgendwie wirklich 'n sehr teuren
Energieträger, den ich mit sehr viel
erneuerbarem Strom hergestellt habe.
Es wär sehr viel effizienter dann
gewesen, ähm, aus dem erneuerbaren
Strom den Batterien zu speichern
und das dann einfach zu nutzen,
hab ich so viel mehr Gewinn.
Deswegen macht es ökonomisch,
ist es halt Geld verbrennen.
Ähm, ist das technisch möglich?
Grundsätzlich ja, wenn ich
dementsprechend die Turbinen und alles
dafür auslege und das Ganze mache.
Aktuell ist es so, dass da eigentlich noch
nichts so wirklich Wasserstoff ready ist.
Ich kann 'nen gewissen Anteil von
Wasserstoff und fossilem Gas zumischen.
Je mehr Wasserstoff ich zumische,
desto höher sind die Temperaturen,
desto herausfordernder wird es.
Wenn die Temperaturen zu hoch sind,
passt das mit den Schweißnähten nicht
oder aber mit der Gaszufuhr, dass
die ganzen Sachen nicht dicht sind,
weil das 'n bisschen durch die Ritzen
durchdrehen kann, vereinfacht gesagt.
Das heißt, ich hab technische
Herausforderungen, die muss ich angehen.
Das ist teurer dadurch.
Aktuell ist es so, dass wir immer
mal Produkte sehen, die dann als
Wasserstoff ready geframed werden.
Wenn du dann genauer guckst, kann
ich aber nicht 100 % Wasserstoff
fahren, sondern nur 'n gewisser
Anteil von Wasserstoff ist zugänglich.
Wenn ich erneuerbar 100 % klimaneutral
werden will, dann reicht es aber
nicht, wenn 40 % Wasserstoff da drin
ist, sondern dann muss es 100 % sein.
Die Anlagenbetreiber sagen teilweise auch,
ne, jetzt so 'ne kleine Turbine mit 100
% Wasserstoff haben wir schon mal getestet.
Die großen, na, können wir's
draufschreiben, aber wenn wir das testen
wollen würden, also da müssten wir
ja erst mal selber diese Riesenmenge
an Wasserstoff kaufen und das dann
in den Betrieb durch diese Turbine
mal 'n paar Stunden oder Tage mal
durchschießen, um danach das Siegel
draufzumachen, hat wirklich funktioniert.
Also das zahlt uns ja keiner.
Also deswegen ist es grad einfach so,
dass dieser Träger so teuer ist, dass
selbst das Testen, ob das technisch
dann wirklich geht, so herausfordernd
für die Betreiber ist, ähm, und aktuell
der Markt ja auch nicht da ist, weil
letztendlich der Kunde auch nicht
bereit wär, diesen Preis zu zahlen.
Also deswegen ist das quasi aus so einer
technischen Sicht wahrscheinlich möglich.
Ökonomisch ist es eine sehr teure
Variante und deswegen ist es für die
meisten Fälle, glaub ich, sinnvoller,
auf andere Sachen zu setzen.
Das, was aktuell geframed wird mit
Wasserstoff ready für jegliche Art
von Gasinfrastruktur, egal ob es 'n
Terminal oder 'ne Leitung, 'ne Heizung
oder 'n Gaskessel ist, ist meistens
so 'n bisschen so 'n Augenwischerei
So 'n bisschen Feigenblatt und ja,
meistens glaube ich nicht wirklich ernst
gemeint, sondern als Ausrede und ja.
Mhm.
Schon muss man insgesamt ja sagen,
für diese Reservekraftwerke, egal ob
Wasserstoff ready oder nicht, dass die
wahrscheinlich sehr teuer sind, oder?
Also ich meine, das ist ja an sich
so 'ne Versicherung für den Notfall,
falls man nicht genug erneuerbare
Strom zur Verfügung steht, dass man
sie dann mal zeitweise, also für
sehr kurze Zeiträume einsetzen muss.
Genau, wobei für den
Betreiber ist es ja light.
Er gibt die Kosten weiter.
Also deswegen ist es so, dass wir
jetzt diese Auktion machen, weil das
keiner selber machen würde, weil das
kein wirklicher Business Case ist.
Ähm Aber gesamtgesellschaftlich
ist es teuer.
Gesamtgesellschaftlich
ist es teuer, genau.
Man muss jetzt auch fairerweise sagen, die
Kosten, die wir wo andererseits versenken,
sind teilweise noch größer als jetzt da.
Deswegen, aber es ist unnötiges Geld
und es ist halt Geld, was ich in 'ne
fossile Technologie, in 'ne fossile
Lobbygruppe reingebe, was es dann noch
schwerer macht, die dann am Ende wieder
rauszudrücken, weil dann natürlich
irgendwann der Punkt kommt, wo die Leute
sagen: „Ja, jetzt haben wir gerade 15
Gigawatt Gaskraftwerke gebaut, jetzt
wollen wir die aber auch nutzen.“
Und wir haben's bei der Kohle gesehen,
dass wir dann Kraftwerksbetreibern
Geld gegeben haben, damit die
ihre Kraftwerke stilllegen.
Jetzt stell ich mir vor, jetzt geben
wir denen Geld, damit sie bauen und ich
seh schon kommen, dass dann die nächste
Regierung irgendwie in fünf bis zehn
Jahren denen Gelder gibt, damit wir sie
schließen dürfen, was für die auch okay
wär, dann ziehen sie halt doppelt ein.
Also das ist, ähm, ja.
Okay.
Bevor wir uns, ähm, darüber weiter
amüsieren, würd ich sagen, amüsieren
wir uns lieber mit einem Shift-Quiz.
Ähm, und zwar haben wir heute die
Dunkelflaute zum Schätzen für dich dabei.
Drei Fragen hab ich mit und genau,
wir starten einfach mal los.
Ähm, wie viel Leistung schreibt der
Bund 2026 für Reservekraftwerke aus?
Willst du 'n Zahlen oder machst du ohne?
Ich nenn dir sonst drei
Auswahlmöglichkeiten.
Ähm, wie viel der aktuell schon als
Reservekraftwerk Kapazitäten ausschreibt?
Ja.
In dem, in dem Gesetz.
Mhm.
Ja, was sind das?
Zehn, zehn Gigawatt jetzt erst mal.
Ja, fast neun.
Ja.
Genau, neun in zwei Runden.
Ähm, und nächstes Jahr sollen
auch noch mal, noch mal zwei, drei
Gigawatt ausgeschrieben werden.
Ähm, und die sollen bis 2031 am Netz sein.
Äh, hältst du das für realistisch
bei unserem bekannten Ausbautempo?
Ich glaub, es ist herausfordernd.
Ich hab letztens mit 'ner anderen Person
gesprochen aus der Industrie und hab
sie gefragt, weil aktuell ist es zum
Beispiel so, dass Gaskraftwerke sehr stark
zugebaut werden, insbesondere in den USA.
Ähm, das hängt damit zusammen, dass
wir den Ausbau von Datenzentren haben
im AI-Bereich und, ähm, demzufolge die
dann teilweise Off-Grid ange-gebaut
werden und im Off-Grid-Bereich dann
Gaskraftwerke dazu gebaut werden.
Und deswegen ist es grade sehr schwer,
Gasturbinen auf dem Markt zu kaufen
und die Anbieter, die Gasturbinen
bauen, haben volle Auftragsbücher
für die nächsten fünf Jahre.
Das heißt, wenn jetzt einer von uns
auf die komische Idee kommen würde, ich
will 'n neues Gaskraftwerk bauen und wir
klopfen bei den Anlagenbetreibern an, dann
sagt er uns, wir können in fünf Jahren
anfangen, deinen Auftrag zu bearbeiten.
Wenn wir dann rechnen, das ist 2026 und
das ist ja bei 2031 soll das Ding stehen,
dann wär meine erste These gewesen,
es kann ja gar nicht funktionieren.
Jetzt hab ich mit Leuten aus der
Industrie gesprochen, die mir dann
gesagt haben, das wär der Politik schon
bewusst gewesen und dementsprechend gibt
es entsprechende Abmachungen zwischen
der Industrie und der Politik, dass
bestimmte Slots freigehalten wurden für
diese Nachfrage, wenn sie denn kommt.
Das heißt, die Annahme ist, wenn
jetzt Der Zuschlag beispielsweise bei
RWE landen sollte für drei Gigawatt
Gaskraftwerkskapazitäten, dass die
dann eventuell wissen, bei welchen
Firmen sie anfragen können und sagen
können: „Könnt ihr uns drei Gigawatt
Gaskraftwerkskapazitätsturbinen
und alles andere bauen?"
Und die dann sagen: „Ja, haben wir ein,
ihr seid nächstes Jahr dran." Das heißt,
das geht theoretisch schon und man
kann Gaskraftwerke sehr schnell bauen.
Das heißt, ich glaub schon,
dass das grundsätzlich geht.
Ähm, nichtsdestotrotz ist dieser
Gesetzgebungsprozess und es gibt immer
noch Unsicherheiten, weil manche Leute
vielleicht auch dagegen klagen, andere
Unternehmen, das ist schon möglich.
Also das ist auch fünf
Jahre für 'n Gaskraftwerk.
Das ist keine Rocket
Science, diese Dinger.
Okay, wir haben ja auch
schon 'n paar davon.
Das wär nämlich meine nächste Frage:
Wie viel Gigawatt Gaskraftwerke gibt's
denn heute schon in Deutschland?
Fünf, 25 oder 100?
Äh, 35, sorry.
Fünf, 35 oder 100?
So wenn ich's falsch ist, ne.
Also 100 sind's definitiv nicht.
Ähm, das heißt, wahrscheinlich
sind's, sind's nur 35.
Hätt gedacht, dass weniger sind, aber ja.
Ja, 35 hab ich mich auch mit meiner
Nachfrage schon 'n bisschen verraten.
Warum sollt ich die
Zahl sonst korrigieren?
Genau, ähm, das sind, deswegen
hab ich nämlich 25 gesagt, man
könnte sozusagen sagen, dass man
25 Brokdorfs nachbauen müsste.
Also das, äh, ist ja das
Atomkraftwerk, was man hier in
Deutschland, äh, in Schleswig-Holstein
noch so 'n bisschen kennt.
Das heißt, diese neuen- Mhm.
Gigawatt neuer Ausbau, das wär
'n Plus von gut 'nem Viertel.
Klingt nach ganz schön viel, weil
du hast ja eigentlich auch schon
gesagt, du hältst da sowieso nicht
so viel von, die auszubauen und
dann auch noch in der, in der Menge.
Ja, also ich glaub, man darf ja auch
nicht vergessen, das, was jetzt ausgebaut
werden soll, also diese neun plus drei,
das heißt irgendwie zwölf Gigawatt oder
so, ähm, das ist ja nur die knapp oder
etwas mehr als die Hälfte von dem, was
Katarina Reiche eigentlich haben wollte.
Also Katarina Reiche
wollte 20 Gigawatt haben.
Dann gab's O-Töne von ihr, wo sie
gesprochen hat im Parlament und gesagt
hat: „Wir wollen mindestens 20 Gigawatt
Gaskraftwerke bauen." Dann hat die
EU zum Glück gesagt: „Also das geht
definitiv nicht", weil das irgendwie
eh wettbewerbsrechtlich freundlich
gesagt Grauzone ist und dann dürft ihr
nur zwölf Gigawatt subventionieren,
was schon nicht so richtig okay ist.
Robert Habeck wollte damals, glaub
ich, auch neun bis zehn Gigawatt.
Auch das fanden wir damals aus der, aus
meiner Forschungsbereich schon zu viel.
Ähm, das heißt, 'n bisschen was
braucht man, aber wahrscheinlich
eher so die Hälfte von neun und
jetzt sind wir halt bei zwölf.
Ähm, und eigentlich will sie danach,
spricht sie immer noch von der ersten
Runde und dann würd sie am liebsten noch
mal zehn Gigawatt danach schieben wollen.
Ähm, deswegen ist das halt zu viel und zu
viel Geld auch und dementsprechend, wie
jetzt auch das Ganze diskutiert wurde.
Es gab auch bei dem
Kompensationsmechanismus gab's in
letzter Minute noch mal 'ne Änderung,
die einfach bedeutet, dass sie noch mal
viel mehr Geld kriegen können und so.
Das heißt, das wird wirklich extrem
viel Geld wird denen gegeben.
Wie gesagt, dadurch, dass die
nicht so oft abgerufen werden,
darf man das nicht überschätzen.
Also das sind quasi ganz viele
Kapazitäten, ganz viele Anlagen, die
dann da stehen und die bezahlt sind.
Aber die laufen jetzt nicht
wirklich, weil die halt auch
größtenteils nicht gebraucht werden.
Das heißt, ich baue mir halt so 'n fetten
Reservetank, den ich dann die ganze Zeit
rumfahre und bezahle, aber der ist jetzt
wirklich auch nicht viel in Betrieb
und deswegen wird der auch nicht so
viele Emissionen zumindest verursachen.
Deswegen aus so einer Klimaperspektive,
weil die halt auch nicht im regulären
Markt sind und die Erneuerbaren
halt einfach günstiger sind im
Betreiben, weil ein Gaskraftwerk,
wenn es läuft, braucht es Gas.
Das heißt, es ist immer teurer
als eine erneuerbare Anlage, die
einfach keine Betriebskosten hat.
Und deswegen ist das, muss man das 'n
bisschen trennen, ökonomischer Wahnsinn,
politisch auch total in die falsche
Richtung und erzeugt Lock-in-Effekte.
Aus der Klimawirkung ist
es, ja, unnötig aber, ja.
Dann hab ich noch eine Frage für
dich: Ähm, wie lange müssen die neuen
Kraftwerke am Stück liefern können?
Eine, zehn oder 48 Stunden?
Wahrscheinlich 48 Stunden.
Also meine Antwort sagt zehn
Stunden vor den Leistungen.
Genau, aber ich hätte auch gesagt,
es erscheint ja recht wenig, wenn man
sagt, man möchte damit Dunkelflauten
überbrücken, hätte ich mal auch eher
in Tagen als in Stunden gedacht.
Ja.
Weil ich mein, alles andere hast du schon
gesagt, können Batteriespeicher ja auch.
Warum dann jetzt so 'ne kurze Frist?
Genau, also ich bin jetzt in den
ganz konkreten regulatorischen
Sachen auch nicht ganz so bewandert.
Deswegen weiß ich nicht genau, was
es noch an anderen Passagen gibt,
weil es gibt, glaube ich, auch
noch mal Herausforderungen, wie
viel Energie sie insgesamt haben
müssen über den Gesamtzeitraum.
Ich glaube, die Idee ist halt
grundsätzlich immer, dass ich auch
immer davon ausgehen werde, dass
ich im System immer wieder mal Strom
habe, wo ich was weniger doll brauche.
Also beispielsweise ein bisschen
Wind ist dann immer irgendwo
in Deutschland oder in Europa.
Deswegen ist es ja nicht so, dass diese
Dunkelflaute heißt, ich krieg zwei
Wochen lang gar keinen erneuerbaren
Strom, sondern es deutet einfach nur
darauf hin, dass ich in den zwei Wochen
deutlich weniger erneuerbaren Strom in
Summe kriege, als ich in diesen zwei
Wochen an Strom insgesamt brauche.
Das heißt, ich hab so ein dauerhaftes
Defizit, das sich einfach immer
mehr auf sammelt, sage ich mal.
Aber ich werde immer mal Stunden haben,
wo ich das jetzt nicht so groß brauche.
Deswegen ist jetzt nicht
diese Erwartungshaltung, ich
brauche da ein Gaskraftwerk
und das schalte ich dann am 1.
Februar an und dann am 15.
Februar wieder aus, sondern es ist
dann eher so, ich sag denen im Dezember
Bescheid: „Guckt mal im Januar, Februar,
da könnten wir euch brauchen und seid
mal in Reservebereitschaft", und dann im
Januar, Februar kommt hin und wieder ein
Anruf: „Morgen bitte mal die vier Stunden
fahren, dann den Tag danach bitte mal zehn
Stunden am Stück fahren", und dann habe
ich auch so viele Kraftwerkskapazitäten,
dass die sich ja anpassen können und die
werden auch immer ein Interesse haben,
wenn sie angefragt werden, dann zu
laufen, weil sie dann schon die Kosten,
die dabei entstehen, auch deutlich
vergütet kriegen und so weiter, aber
sie kriegen halt vor allem sehr viel
Geld alleine schon fürs Nichtzulaufen.
Also es ist nicht so, dass mal über
mehrere Stunden nirgendswo in Deutschland
Solar oder Wind zur Verfügung steht.
Also bei null kann ich mir nicht
an… Also natürlich kann PV bei
null sein, weil es ist Nacht und dann
habe ich halt wirklich einfach null.
Ähm, aber ich habe immer irgendwo so ein
bisschen Wind und es ist ja auch einfach
so, dass wir ein relativ großes Land sind.
Wir werden zunehmend stärker auch
Offshore-Windenergieanlagen haben.
Offshore-Windenergieanlagen sind
Stromanlagen, also Windanlagen an, also
auf hoher See, wo tendenziell immer
Wind weht und dementsprechend haben die
halt einen kontinuierlichen Zufluss.
Ich habe Biomasseanlagen in
Deutschland, die dauerhaft Strom
produzieren können, weil die
einfach unabhängig vom Wetter sind.
Ich hab ein paar Wasserkraftanlagen
in Deutschland, die immer
Strom produzieren können.
Ich werd insbesondere aus Skandinavien
immer Wasserstrom beziehen können.
Ich hab den Alpenraum,
wo Wasserstrom da ist.
Ich hab, hören wir nicht so
gerne, aber auch aus Frankreich
Atomenergie, der dann dazu kommt.
Also ich hab einfach immer irgendwelche
Energiequellen in Deutschland, die selbst
wenn Wind und Sonne nicht da wären,
einen gewissen Strom liefern können.
Ich hab auch immer einen gewissen
Puffer drin durch Speicher
und so weiter und so fort.
Das heißt, es geht nicht darum, dass
sie das System komplett abdecken
können, ähm Glaubst du, wenn wir
jetzt mal weiter in die Zukunft
schauen, zehn, 15 Jahre weiter,
dass dann dieses Thema Dunkelflaute
noch weiter sehr stark kursiert?
Oder sind wir dann so weit auch grade
mit Erneuerbaren, dass das einfach
gelöst ist und, und einfach überhaupt
gar kein Problem mehr darstellt?
Ich glaub, wir haben immer wieder neue
Narrative und das Interessante ist,
wenn man sich damit beschäftigt, dann
erkennen wir, dass diese Narrative in
gleichen Regionen immer wieder kommen.
Also das, was wir jetzt hier in
Deutsch am Anfang beispielsweise war,
erneuerbaren Anteil war bei vier Prozent
in Deutschland und es gab Aussagen
von den besten Ingenieuren, den besten
Energieunternehmen, dass mehr als
vier Prozent erneuerbare Energiesystem
technisch einfach nicht geht.
Das war wirklich deren Meinung.
Wir sind jetzt irgendwie bei 60, 70
Prozent, hin und wieder deutlich drüber
an manchen Tagen und es funktioniert.
Ähm, das war ganz klar falsch, war
aber wirklich deren Überzeugung.
Dann war irgendwann das nächste
Thema: Na ja, was ist denn,
wenn kein Wind oder Sonne ist?
Die nächste Thema war dann irgendwie: Ja,
kann das Netz das überhaupt aufnehmen?
Ähm, und so weiter und so fort.
Das heißt, es gibt immer neue
Herausforderungen, die kommen
und der Punkt, dass mal Kein,
die Sonne nicht scheint oder
irgendwie der Wind nicht weht.
Das ist so elementar und so klar gewesen
von vornherein, dass ich glaube, dass das
für die Leute, die im Thema länger drin
sind, jetzt schon kein großes Problem ist.
Nichtsdestotrotz eignet sich das halt
immer noch plakativ einfach gut für
Leute, die sich noch nie mit dieser
Materie auseinandergesetzt haben,
denen dann so plötzlich das verkauft
wird als: „Seht her, ich hab's
erkannt. Die lügen doch alle. Die
Lügenpresse, die hatten doch vergessen,
dass die Sonne mal nicht scheint."
Ähm, und das sind so augenscheinliche
Sachen für Leute 'n Thema, kein Problem.
Für andere Leute ist es, glaube
ich, immer gut für irgendeinen
A-Aufreißer und natürlich würde ich
mir wünschen, dass die Menschen immer
gebildeter sind und dementsprechend
dann nicht verunsichert werden.
Wir sehen in den letzten Jahren
leider 'n negativen Trend.
Wir sehen beispielsweise auch, was
die, das, ähm, das Wissen darüber
angeht, dass Menschen wissen, dass
die Klimakrise menschengemacht ist.
Die An, die Prozentsatz der Menschen, die
dieses Wissen haben und die daran glauben,
in Anführungsstrichen glauben, weil es
ist ja 'n Wissen, ähm, die nimmt ab.
Also wir haben immer mehr Leute, die
an der Klimakrise zweifeln, dass die
menschengemacht ist, einfach durch
Fake News und so weiter und so fort.
Und dementsprechend würde ich erst mal
auf deine Frage antworten und sagen: Ich
würde hoffen, dass das dann kein Thema
ist, weil Leute wissen, natürlich gibt es
diese Zeiten, wo kein Wind und Sonne ist.
Das ist aber kein Problem.
Dafür haben wir technische Lösungen,
da passen wir uns entsprechend an.
Das wäre mein Wunschszenario.
Die Realität wird, glaube ich, sein,
dass es immer Leute geben wird, die
sich auf andere Sachen fokussieren,
die sich deswegen damit noch nie
beschäftigt haben und für die das
dann, wenn sie das das erste Mal
hören, erst mal 'n großes Problem ist.
Und dann ist es halt an uns,
an solchen Podcast-Formaten,
das dann irgendwie aufzuklären.
Mhm.
Wenn ich dich nach deiner persönlichen
Prognose frage, würdest du sagen, aus
heutiger Sicht mit dem heutigen Stand,
den wir in der Energiewende und dem,
ähm, und dem Netz und allem, was in das
Energiesystem gehört, ähm, haben wir dann,
ähm, wenn jetzt eine kalte Dunkelflaute
kommt – das, den Begriff hab ich heute
gelernt – also ein, äh, sehr kalter Winter
mit wenig Wind, ähm, haben wir dann 'nen
echten Stresstest für die Energiewende?
Ähm, die kurze Antwort
würde ich sagen: Nein.
Also es ist natürlich herausfordernd.
Natürlich müssen wir uns anpassen.
Ähm, natürlich sehen wir, dass
insbesondere die Netzbetreiber vor
immer größeren Herausforderungen stehen.
Wir sehen aber auch, dass, ich sehe das
bei meinen Absolventen, die besten Jobs,
die sie gerade finden können, die einzigen
Unternehmen, die gerade reihenweise
Leute einstellen, sind die Netzbetreiber,
weil die einfach Personal aufbauen.
Die haben ihr Personal in den
letzten Jahren verdoppelt.
Die haben super kompetente
Leute da sitzen und, ähm, die
wissen, wie sie das lösen sollen.
Und damit sage ich nicht, dass deren
Job einfach ist und das wird vielleicht
auch noch komplexer, aber ich bin mir
sicher, ähm, dass es lösbar ist, weil
wir die technischen Lösungen dafür haben.
Wir müssen das Ganze umsetzen.
Die Regulatorik, die Bürokratie hemmt da.
Thema auch irgendwie Strompreiszonen,
variable Strompreise, ähm,
Smart Meter et cetera.
Da können wir noch sehr viel besser
werden, dass wir durch die digitalen
Lösungen, ähm, das System sehr
viel, wir sagen, resilienter machen
können, also sehr viel stabiler.
Also deswegen ist ein erneuerbares
Stromsystem ist sehr viel komplexer
als ein fossiles Stromsystem.
Wenn ich ein erneuerbares Stromsystem
aber intelligent fahre, dann kann
es trotzdem genauso stabil sein.
Und es ist ja nicht so, dass
wir jetzt mehr Stromausfälle in
den letzten Jahren gehabt hätten
aufgrund der erneuerbaren Energien.
Das muss man einfach sagen.
Also die Stromqualität, sage ich mal,
die den Endnutzer:innen geboten wird
in den letzten Jahren, ist höher als
noch vor zehn oder zwanzig Jahren.
Und das, obwohl wir mehr
erneuerbare System haben.
Und auch Strom durch Erneuerbare ist
günstiger als Strom durch Fossile.
Deswegen kann es tendenziell,
könnte es sogar eher günstiger
werden und solche Sachen.
Und deswegen würde ich sagen, gucke
ich optimistisch in die Zukunft, dass
eine positive Zukunft machbar ist.
Und natürlich ist es dann auch
an den politischen Parteien,
das dann entsprechend umzusetzen
und an der Bevölkerung auch dann
das Ganze entsprechend zu leben.
Da haben wir doch noch ein
positiveres Ende gefunden.
Ja, Sandra, du kannst
entspannt in den Winter gehen.
Die Dunkelflaute wird dich
nicht im Dunkeln sitzen lassen.
Wir sind am Ende.
Vielen Dank, Paul Yu.
Schön, dass du ein weiteres Mal
hier bei uns am Tisch warst.
Das war wieder eine große Freude.
Wir haben viel gelernt.
Wir werden dich bestimmt noch mal das
ein oder andere Mal sogar noch anfragen.
Vielen, vielen Dank und wir sagen
Tschüss, bis zum nächsten Mal.
Bis zum nächsten Mal.
Tschau.
Das war Shift.
Der Norden macht Zukunft.
Der Energiewende Podcast der EKSH